Der Dieb der Worte / The Words

Filmkritik

Der Dieb der Worte / The Words

| Alexandra Seitz |

Sehr viel Gerede um sehr wenig: Literatur, vom Film missverstanden

Clay Hammond ist ein berühmter und erfolgreicher Bestseller-Autor, der aus seinem neuen Roman vorliest, der von einem aufstrebenden jungen Schriftsteller namens Rory Jansen handelt, dessen großer Wurf ein Plagiat ist und der vom wirklichen Autor, einem alten Mann, mit Betrug, Wahrheit und Lebenslüge konfrontiert wird. Oder anders: Im Post-WK-II-Frankreich verliebt sich ein G.I. in eine hübsche Französin, heiratet sie, macht sie unglücklich, verlässt sie und schreibt darüber ein Buch, dessen Manuskript verloren geht, Jahrzehnte später aber von einem hoffnungsvollen, doch untalentierten Autor gefunden und unter eigenem Namen publiziert wird. Wenig später sieht sich dieser schlagartig berühmt gewordene Dieb der Worte mit dem wahren Verfasser des Manuskripts konfrontiert. Beide wiederum sind literarische Figuren im aktuellen Roman eines Erfolgsschriftstellers, der im Gespräch mit einer Studentin die Hintergründe seines neuesten Werkes offenlegt. Oder ist Jansen das Alter Ego Hammonds und die ganze Geschichte weniger erfunden als autobiografisch? Kompliziert, in der Tat. Doch wozu der ganze Aufwand?

Man wird angesichts von The Words, mit dem Brian Klugman und Lee Sternthal nach eigenem Drehbuch ihr Regiedebüt geben, das Gefühl von „l’art pour l’art“ nicht los. Die Struktur dieses Films ist kompliziert und verschachtelt, weil sie kompliziert und verschachtelt sein kann. Weil es möglich ist, nicht weil es Sinn ergibt oder Erkenntnis vermittelt oder irgendeiner Notwendigkeit gehorcht.Bleibt die Frage: Ist The Words wenigstens unterhaltsam? Nun, in etwa so unterhaltsam wie Tron: Legacy, dessen Story gleichfalls Klugman und Sternthal anzukreiden ist; also eher weniger. Da hilft auch die recht passable Besetzung nichts, die neben dem derzeit schwer angesagten Bradley Cooper zuverlässige Routiniers wie Jeremy Irons und Dennis Quaid sowie in den Rollen der jeweiligen Love Interests Zoe Soldana, Nora Arnezeder und Olivia Wilde versammelt. Sie alle würden offensichtlich gerne in die moralischen Untiefen vorstoßen, die die Geschichte um die tragischen Folgen eines unbedachten Diebstahls geistigen Eigentums rein theoretisch bereithielte. Sie alle müssen an der Oberfläche bleiben und Grimassen des Dramatischen schneiden, weil die Regie keinen über den Stoff hinaus weisenden Bezugsrahmen vorgesehen hat und sie eiskalt im Stich lässt. Kreist man also weiter um einen Nabel, der, gleich einem Schwarzen Loch, ins Nichts führt.