Der Fliegende Händler

Filmkritik

Der Fliegende Händler

| Walter Benjamin |

Nach zehnjähriger Abwesenheit kehrt der 30-jährige Antoine in die Rhone-Alpes-Region zurück, um vorübergehend den mobilen Gemischtwarenladen des erkrankten Vaters zu übernehmen.

Ein Konflikt mit dem Vater hat Antoine vor Jahren zum Verlassen des Heimatdorfes veranlasst. In der Großstadt hat der mürrische Mann aber auch nicht richtig Fuß gefasst. Als der Vater einen Herzinfarkt erleidet, kehrt Antoine auf Wunsch der Mutter aufs Land zurück und bringt gleich auch noch die von ihm heimlich geliebte Claire mit. In längst ausgetretenen Bahnen bewegt sich die Geschichte und auch die Hauptdarsteller agieren zu zurückhaltend, als dass sie ihren Figuren markante Konturen verleihen könnten. Schulbuchmäßig ist geradezu der Aufbau mit langsam positiver Entwicklung, abruptem dramatischen Bruch und Krise nach rund zwei Drittel des Films und schließlich doch wieder Wendung zum Happy End.

Was hier erzählt wird, kann folglich kaum Interesse wecken. Dass Le Fils De Lepicier dennoch sympathisch bleibt und einigen Reiz ausstrahlt, liegt an der sorgfältigen Einbettung ins ländliche Milieu und der Auseinandersetzung mit einem im Kino sonst kaum präsenten Gewerbe. Im genauen Blick für die Landschaft und die Arbeit des fahrenden Händlers spürt man, dass sich Regisseur Eric Guirado schon in mehreren Dokumentarfilmen mit dieser Region und mit Wanderberufen beschäftigt hat. Mehr Interesse als die Geschichte wecken so die Panoramen der Hügel und Felder, die Gebirgsrücken und alten Naturstein-Häuser, die langsam zerfallen, da die Jungen großteils in die Städte abwandern. Kunden Antoines sind deshalb auch fast ausschließlich alte Menschen und hier gelingen Guirado überzeugende kleine Porträts, wie das der schrulligen Lucienne oder das eines alten Bauern, dessen Hof inzwischen so verlottert ist wie er selbst.

Das Unspektakuläre und das Alltägliche, das durch die unaufgeregte Erzählweise und den dezenten Musikeinsatz noch unterstrichen wird, werden so in diesem, sanft zwischen Drama und Komödie balancierenden Film, zum Wesentlichen. Vielfältige Probleme der Region und ihrer Bewohner werden zwar angerissen, aber eben mit einer Leichtigkeit und in Dosen, die die Konsumierbarkeit dieser Liebeserklärung an eine Welt, die in Zeiten der Globalisierung vom Verschwinden bedroht ist, nie wirklich beeinträchtigen. Aber immerhin gelingt es Guirado ein Abgleiten in Kitsch und Sentimentalität – eine Gefahr, die bei solchen Sommerkomödien gerne droht –, abgesehen von dem in seiner Vollkommenheit nur als Wunschtraum zu tolerierenden Happy End, durch den ebenso liebevollen wie nüchtern-dokumentarischen Blick zu vermeiden.