Gérard Depardieu als genialer, aber frustrierter Chefkoch, der nach Japan reist, um das Geheimnis des fünften Geschmacks zu ergründen
Gabriel Carvin (Gérard Depardieu) ist der beste Chefkoch Frankreichs. In den Gemäuern eines alten Klosters serviert er seiner zahlungskräftigen Klientel die edelsten Speisen, soeben hat sein Restaurant „Monsieur Quelqu’un“ den dritten Stern erhalten. Trotzdem ist Gabriel frustriert. Seine Frau Louise (Sandrine Bonnaire), strenge Geschäftsführerin der noblen Gaststätte, geht fremd – ausgerechnet mit einem Restaurantkritiker. Sein ältester Sohn Jean ist als Koch seiner Meinung nach in der Küche keine große Hilfe. Dann setzt ihn zu allem Überfluss auch noch ein Herzinfarkt außer Gefecht. Gabriel ahnt, dass sich etwas ändern muss. Er erinnert sich an den japanischen Koch Tetsuichi Morira, der ihn vor vielen Jahren bei einem Wettbewerb ausgestochen hat. „Umami“ (so auch der Originaltitel des Films) heißt das Geheimnis des alten Mannes, nach sauer und salzig, bitter und süß so etwas wie eine fünfte, geheimnisvolle Geschmacksrichtung, die die Speisen erst krönt. Kurzentschlossen fliegt Gabriel nach gelungener Bypass-Operation nach Japan, um den Konkurrenten von einst ausfindig zu machen und ihm sein Geheimnis zu entlocken.
Dass es beim Essen im Kino um mehr geht als nur um Zubereitung und Verzehr der Speisen, nämlich um Werte wie Geselligkeit, Selbstverwirklichung und Genuss, weiß man spätestens seit Babettes Fest (1988). Das ist auch in diesem Film von Slony Sow nicht anders. Gérard Depardieu spielt die Hauptfigur als deprimierten Mann, der sein Leben nur der Arbeit gewidmet hat und sich nun vor dem Alter fürchtet. Doch Sow handelt die kleinen Katastrophen, die im ersten Drittel auf Gabriel einprasseln, viel zu hektisch und unkonzentriert ab, ihre Dringlichkeit teilt sich nicht mit. Mit dem Schauplatzwechsel nach Japan etabliert der Regisseur dann einen Culture Clash, der für komische Reibung sorgen soll, egal ob die Schlafboxen viel zu klein sind oder die Japaner viel zu freundlich. Die japanische Kultur als das unergründlich Fremde, über das man sich vorbehaltlos wundern darf – nicht sehr originell. Unterbrochen wird dieser klischeebesetzte Erzählstrang durch eine unnötige Parallelhandlung, in der die Probleme daheim – eine einflussreiche Food-Bloggerin hat ihren Besuch angedroht – geschildert werden und sich Gabriels ungeliebter Sohn als Küchenchef bewähren muss. Schließlich müht sich Gérard Depardieu auf einem großen Dreirad ab, so wie er schon in Mammuth mit breitem Hintern auf einem Motorrad hockte. Auch dieser Anblick macht keinen Spaß.
