Aufarbeitung der Zeitgeschichte Spaniens
Anfang der dreißiger Jahre übernimmt der katalanische Lehrer Antonio Benaiges die öffentliche Schule eines kleinen spanischen Dorfes in der Region Burgos. Benaiges vertritt reformpädagogische Ansätze und ist davon überzeugt, dass Kinder am besten lernen, wenn sie neugierig selbst erforschen dürfen, was sie interessiert. Seine antiautoritäre Unterrichtsmethode setzt auf die Selbstbestimmung der Schüler und Schülerinnen sowie das gemeinsame Arbeiten an Projekten. Eine von ihm mitgebrachte Druckerpresse ermöglicht seiner Klasse, selbst Hefte zu gestalten. Bernaiges baut schnell eine gute Verbindung mit den Kindern auf, seine progressive Haltung stößt bei den Erwachsenen jedoch auf Skepsis und Widerstand. Obwohl auch der aufkommende Bürgerkrieg wie eine Gewitterwolke am Horizont Spaniens aufzieht, bleibt der Pädagoge optimistisch: Er hat seiner Klasse schließlich versprochen, mit ihr gemeinsam ans Meer zu fahren und ist beseelt davon, sein Vorhaben umzusetzen. Eine Entscheidung, für die Antonio Benaiges einen hohen Preis bezahlen wird.
Der Lehrer, der uns das Meer versprach, dessen Plot auf wahre Begebenheiten beruht, verwebt gekonnt die traurige Vergangenheit Spaniens mit der Gegenwart. Die Geschichte beginnt im Jahr 2010 mit einem Anruf, in dem Ariadna erfährt, dass ihr Großvater – einer der ehemaligen Schüler Bernaiges’ – ein Verfahren eingeleitet hat, um seinen Vater ausfindig zu machen, der vermutlich in einem Massengrab in Burgos begraben liegt. Ariadna ist plötzlich mit einer traumatischen Familienvergangenheit konfrontiert, von der sie bisher nichts wusste. Ihre dem Anruf folgende Forschungsreise spiegelt den Versuch einer Wiederherstellung des historischen Gedächtnisses Spaniens wider. Während des Bürgerkrieges wurden im gesamten Land zehntausende Opfer, die von den Schergen des „Caudillo“ Francisco Franco ermordet wurden, in Massengräbern verscharrt, doch statt Aufarbeitung gab es ein langes gesellschaftliches Schweigen, das erst in den letzten Jahren gebrochen wurde.
Der Lehrer, der uns das Meer versprach erscheint, was visuelle Gestaltung und schauspielerische Leistungen angeht, eher konventioneller Natur. Doch das geschickte Zusammenspiel der beiden Zeitlinien verleiht der Handlung Dynamik und die erzählten wahren Inhalte berühren auf mannigfaltige Weise, sodass man sich bald in einem Wirbelwind der Emotionen findet. Ein Film, der trotz mancher Schwächen lange nachhallt.
