Fortschreibung der epischen Geschichte um einen Mediziner im Mittelalter
Die Freude ist groß an Bord des Segelschiffs, mit dem der Arzt Rob Cole, sein neugeborener Sohn und eine Schar von Gefährten auf die englische Steilküste zusteuern. Doch dann kommt ein Sturm auf, das Schiff zerschellt an den Klippen, nur der Mediziner, wenige Getreue, das Baby und ein Kamel überleben das Unglück. Im mittelalterlichen London wird die Gruppe aus Christen, Juden und Muslimen mit Misstrauen empfangen. Cole spricht am Hof des Wikingers Knut (engl. Canute), König von England, vor, doch die royalen Leibärzte nehmen den Neuankömmling, der in Persien zum Hakim, einem muslimischen Heilkundigen, ausgebildet worden war, nicht ernst. Dabei hat er einen Schatz von unschätzbarem Wert mitgebracht – die Enzyklopädie „Kanon der Medizin“ des berühmten morgenländischen Gelehrten Ibn Sina. Erst als Cole den dahinsiechenden Herrscher heilt, gewinnt er Ansehen und Einfluss.
Die Fortsetzung lässt das orientalische Flair des Kinohits aus dem Jahre 2013 oder Schauspieler vom Format eines Ben Kingsley vermissen; Tom Payne als Titelheld mangelt es an Charisma und emotionaler Glaubwürdigkeit. Dafür gibt es eine wirklich abgrundtief böse Oberschurkin, die ihren Lebensretter Cole kaltblütig zum Tode verurteilt, überzeugend verkörpert von Emily Cox. Film- und Opernregisseur Philipp Stölzl, der bereits den auf Noah Gordons Roman basierendem Der Medicus – der wie die Buchvorlage beim Publikum reüssierte – inszenierte, hat die Fortsetzung der abenteuerlichen Geschichte über Intrigen, Machtgier, Mord und den Beginn der medizinischen Behandlung von psychogenen Krankheitssymptomen dramaturgisch bieder und konventionell wie nach dem Lehrbuch in Szene gesetzt: Auf eine dramatische Ausgangssituation und Anfangsschwierigkeiten folgen erste Triumphe des Protagonisten, dann tragische Rückschläge und schließlich das Happy End.
Eine keltische Medizinfrau belehrt Cole, dass Krankheiten nicht nur körperliche, sondern auch seelische Ursachen haben und bringt ihm bei, wie man sie kurieren kann. Der Arzt nutzt sein neues Wissen, um die an Irrsinn leidende Prinzessin Aemma, rechtmäßige Thronerbin des vergifteten Königs Knut, zu heilen. Das mit großem CGI- und Ausstattungsaufwand inszenierte, märchenhafte Historiendrama aus der Welt schwertschwingender Ritter und maliziöser Königinnen dürfte vor allem ein junges Publikum ansprechen und bietet zum Weihnachtsfest altmodisch-romantische Genreunterhaltung.
