Nicht so dramatisch wie der Vorname
Man muss, wie im Film, zunächst einen Schritt zurück gehen: Vor vier Jahren unternahm der deutsche Regisseur Sönke Wortmann den Versuch, die gefeierte französische Gesellschaftskomödie Der Vorname (Le Prénom) ins deutsche Wohnzimmer zu übertragen. Darin laden der Literaturprofessor Stephan (Christoph Maria Herbst) und seine Frau Elisabeth (Caroline Peters) die Familie zum Essen ein. Doch der Abend verläuft anders als geplant, nachdem Elisabeths Bruder Thomas (Florian David Fitz) verkündet, dass er und seine schwangere Freundin Anna (Janina Uhse) ihren Sohn, wenn es denn einer wird, Adolf nennen wollen. Darüber sind die Gastgeber ebenso empört wie auch Mutter Dorothea (Iris Berben) und Adaptivsohn René (Justus von Dohnányi) – und es kommt alsbald zum genüsslichen Eklat, bei dem die intimsten Geheimnisse aller Beteiligten schonungslos serviert werden.
Nach eben jener Vorlage versucht Wortmann die Geschichte nun in Der Nachname weiter zu spinnen: Diesmal ist das Setting ein Ferienhaus auf Lanzarote, doch auch ein allgemeines Urlaubsgefühl und die herrliche Landschaft können es nicht verhindern, dass die Gemüter sich bald erneut hochkochen. Im Zentrum der Fortsetzung stehen Dorothea und René, die mittlerweile ihre romantischen Gefühle füreinander öffentlich gemacht haben. Nur die Heirat haben sie bisher verschwiegen, und dass Dorothea mit Nachnamen nicht länger Böttcher, sondern König heißt. Aber damit nicht genug: Jetzt wollen die Frischvermählten mit Hilfe einer Leihmutter auch noch ein gemeinsames Kind bekommen, was im Kreis der Familie nicht nur neue moralische und zudem erbrechtliche Fragen aufwirft, sondern erneut dazu führt, dass jeder gegen jeden wettert und noch mehr unschöne Heimlichkeiten ans Licht kommen.
Sie erkennen das Muster? Ja, man hätte sich gewünscht, dass Wortmann und sein Drehbuchautor Claudius Pläging bei ihrer Weiterführung des Originaltheaterstücks „Le Prénom“ mit ein bisschen mehr Fantasie und Einfallsreichtum vorgegangen wären. Der Aufstand um den geänderten Familiennamen wirkt eher kleinlich. Und auch die anderen Sünden, Probleme und Konflikte, die in Der Nachname bald in den Vordergrund rücken, sind so wenig originell wie etwa die Idee, Hasch-Cookies oder Viagra mit ins Spiel zu bringen. Allzu oft bleibt es der großen Iris Berben überlassen, das Ruder doch noch rumzureißen. Aber auch sie tut sich hier schwer damit, ihrer Dorothea Natürlichkeit und komödiantischen Elan zu verleihen. Familien sind seltsam, perfekt sind sie selten. Auch Filme nicht. „Und so geht das Drama immer weiter“, heißt es am Schluss. Man hatte es befürchtet.
