Der Pinguin meines Lebens

Filmstart

Der Pinguin meines Lebens

| Pamela Jahn |
Eine ungewöhnliche Freundschaft

Ein Brite und ein Pinguin treffen sich in Argentinien. Zugegeben: Es braucht schon einigen guten Willen, um dieser gewagten Konstellation vorurteilslos nachzugehen. Dass die Memoiren von Tom Michell, erschienen 2016 unter dem Titel „The Penguin Lessons“, sogar zum Bestseller wurden, beweist, dass es funktionieren kann. Und mit einem renommierten Drehbuchautor wie Jeff Pope dürfte die Geschichte sich adäquat fürs Kino adaptieren lassen. Was sie auch tut – mit Abstrichen.

Ein Gewinn ist Steve Coogan in der Rolle des Englischlehrers Michell, der 1976 in einem Elite-College am Rande von Buenos Aires eintrifft, um den privilegiertesten Teenagern der Stadt die Sprache und das Rugbyspielen beizubringen. Doch abseits der mit edlem Holz vertäfelten Klassenzimmer, den gepflegten Rasenflächen und sonnigen Terrassen auf dem geschützten Schulgelände breiten sich Unruhen aus. „Bastardos fascistas“-Parolen an den Hauswänden markieren den Umbruch. Ein Militärputsch bahnt sich an.

Vor diesem Hintergrund entfaltet sich Michells persönliche Geschichte. Er ist müde, vom Leben enttäuscht und auch im Unterricht längst nicht mehr mit Euphorie dabei. Als er ein Nickerchen im Garten macht, wird er Zeuge einer hitzigen Debatte zwischen dem Dienstmädchen Sofía und ihrem rebellischen Freund, zieht es aber vor, sich nicht einzumischen. Politik, hatte der Direktor den Neuzugang gleich zur Begrüßung ermahnt, wird in seiner Schule mit einem kleinen „p“ geschrieben. Eine Lektion, die sich Michell anstandslos zu Herzen nimmt.

Bleibt die Wohlfühlkomponente: der Pinguin. Bei einem Trip ans Meer wird ihm das Tier förmlich vor die Füße gespült, verklebt liegt er in einer Öllache am Strand. Als sich der Finder des kleinen Kerls annimmt, folgt der Pinguin seinem Retter zum Dank auf Schritt und Tritt. Bald lebt sein neuer Kumpan bei Michell im Badezimmer und begleitet ihn fortan durch den Schulalltag.

In der Interaktion mit seinem skurrilen Freund ist Coogan ein Profi: liebenswürdig, komisch, ungemein britisch, das volle Programm. Kompliziert wird es dagegen, wenn der Film seine Perspektive auf die gesellschaftlichen Zustände ausweitet, um der Handlung mehr Dramatik zu verleihen. Als Sophia von den Sicherheitskräften entführt wird, was ihrer Figur eine größere Rolle als im Buch einräumt, entsteht eine Verzerrung, die den Ernst der politischen Lage zu verharmlosen droht. Folglich gerät nicht nur der tollpatschige Pinguin aus dem Gleichgewicht, sondern auch die Geschichte. Dabei hätte ein bisschen mehr Vertrauen in die Kraft der Freundschaft zwischen Mensch und Tier hier vollkommen genügt.