Mission to Moscow: Benedict Cumberbatch als Handelsreisender in Sachen Spionage
Nach einer wahren Geschichte, wie es so schön heißt: Der britische Geschäftsmann Greville Wynne (Benedict Cumberbatch) reiste in den fünfziger und sechziger Jahren regelmäßig nach Osteuropa, um dort als Repräsentant für diverse Unternehmen vornehmlich Elektroartikel an den Mann zu bringen. Der MI6 hielt dies für eine geradezu perfekte natürliche Tarnung und fragte im November 1960 bei Wynne an, ob er bereit sei, als Kurier (der Originaltitel The Courier trifft die Sache somit besser als der deutsche „Spion“) zu fungieren.
Wynne willigte ein und wurde mit dem sowjetischen Oberst Oleg Penkowski (Merab Ninidze) zusammengespannt, der insgeheim für MI6 und CIA arbeitete. Wynne konnte im Zuge vieler Reisen (vornehmlich nach Moskau) eine große Menge an Dokumenten, die Penkowski unter Lebensgefahr kopierte, nach England schmuggeln. Besonders die Informationen zur Raketenstationierung auf Kuba ermöglichten es den USA, die Gefährdungslage zu evaluieren. Doch der KGB wurde immer misstrauischer – und begann, Wynne und Penkowski mit zunehmender Intensität zu observieren …
Obwohl The Courier am Höhepunkt des Kalten Krieges spielt, ist er kein klassischer Agentenfilm: Weder gibt es hier die Eskapismen der Bond-Reihe noch die schillernd-hintergründigen Charaktere eines John le Carré. Der Film setzt vielmehr auf die Geschichte eines Durchschnittsmannes, der gemeinsam mit seinem russischen Pendant einen drohenden Atomkrieg verhindern möchte. Dies ist prinzipiell kein uninteressanter Ansatz, und die beiden guten Hauptdarsteller halten den Zuseher auch bei der Stange. Allerdings befriedigt dramaturgisch nicht alles: Die Freundschaft der Hauptcharaktere entsteht zu schnell, und auch das Zusammenspiel mit ihren jeweiligen Familien – die Hauptmotivationen, die Welt vor dem Krieg zu bewahren – ist unterentwickelt.
Der Look des Films wirkt, obwohl Regisseur Cooke durchaus um präzise Tableaus bemüht ist, ein wenig zu clean und kulissenhaft, ein Gefühl von Dringlichkeit stellt sich, obwohl beide Protagonisten unter Lebensgefahr agieren, erst relativ spät ein. Und natürlich erinnern Grundzüge der Handlung auch ein wenig an Bridge of Spies, allerdings in einem produktionstechnisch kleineren Maßstab. Insgesamt sind die Figuren und der wahre Hintergrund aber doch interessant genug, um sich The Courier einmal zu Gemüte zu führen.
