Der unverhoffte Charme des Geldes / La chute de l'empire américain

Filmkritik

Der unverhoffte Charme des Geldes

| Oliver Stangl |
Hilfe, ich bin Millionär

In seinen besten Filmen verstand es der Kanadier Denys Arcand, Humanität mit einem satirischen Blick auf gesellschaftspolitische Realitäten und Werte zu vereinen: Jesus von Montréal (1989) etwa war eine intelligent-originelle Auseinandersetzung mit der Botschaft des Neuen Testaments, und sein wohl bekanntestes Werk, Der Untergang des amerikanischen Imperiums (1986, FIPRESCI-Preis in Cannes), zeigte mit viel Wortwitz die Ängste, Lebenslügen und Hoffnungen eines intellektuellen Freundeskreises. Das späte Sequel Die Invasion der Barbaren (2003, Oscar für den Besten fremdsprachigen Film) war ein weiterer Erfolg bei Kritik und Publikum, die eher spirituelle Fortsetzung Days of Darkness (2007) stieß auf geteiltes Echo.

Arcands neuer Film, Der unverhoffte Charme des Geldes, knüpft trotz des Originaltitels La chute de l’empire américain – also „Der Fall des amerikanischen Imperiums“ – ebenfalls nicht direkt an den Originalfilm der Reihe an: Im Kern handelt es sich um die aus dem Märchen bekannte Geschichte eines Mannes, der unverhofft zu Geld kommt und sich fragt, was er damit machen soll.

Der junge Mann heißt Pierre-Paul und ist ein studierter Philosoph, der sich als Paketbote verdingt. Lebensmotto: Intelligente Menschen werden nicht erfolgreich, da ihnen eben diese Intelligenz im Weg stehe. Kein Wunder, dass sich seine Freundin von ihm trennt. Als der zwischenmenschlich ungeschickte, aber im Herzen gute Gesellschaftskritiker einem Obdachlosen Geld gibt, sagt ihm dieser dafür eine Belohnung durch die Vorsehung voraus. Tatsächlich stolpert PP in einen Raubüberfall mit zwei Toten und steckt die liegengebliebenen Millionen ein. Doch was tun mit der Kohle, hinter der nicht nur die Polizei, sondern auch Schwerverbrecher her sind? Gemeinsam mit einem Luxuscallgirl, in das er sich verliebt, einem aus der Haft entlassenen Finanzgenie und einem Offshore-Banker will er das Geld waschen. Wird es seinen Charakter verderben? Kann er Gutes damit tun? Und wird er all dies überleben?

Im Gesamtwerk Arcands reiht sich der Film irgendwo im Mittelfeld ein. Es ist ein wenig so, als hätte Woody Allen (an dessen Filme die Hauptfigur erinnert) ein freies Remake von Bressons L’Argent (1983) gedreht. Der Film ist mit 127 Minuten etwas zu lang, manche Gewaltszenen und Sozialkommentare passen nicht zum großteils leichtfüßig daherkommenden satirischen Ton, und gegen Ende geht der Fokus etwas verloren. Doch hat er  zum Ausgleich einige clevere und unterhaltsame Szenen zu bieten: Ein Highlight ist etwa eine Videokonferenz, die veranschaulicht, wie sich Geld durch jede Menge internationaler Stationen in ein Steuerparadies schleusen lässt.