Die Suche nach einer seltenen Spezies als Naturerfahrung der besonderen Art
Eigentlich ist das Leben von Alma (Molly Kunz) alles andere als stressfrei, steht die junge Dame doch knapp vor dem Abschluss an einer elitären Musikschule. Akribisch bereitet sie sich auf jene Prüfung vor, die ihr die Chance bietet, ein begehrtes Engagement beim renommierten Los Angeles Philharmonic zu ergattern. Als Anna die Nachricht vom Tod ihres Großvaters erreicht, muss sie jedoch an jenen Ort zurückkehren, an dem sie ihre Kindheit verbracht hat: eine inmitten der kanadischen Wäldern und Seen gelegene Insel, die der Großvater in einen wildromantischen Rückzugsort verwandelt hat. Alma findet bald Gefallen an diesem Refugium, als durch eine Verkettung unglaublicher Zufälle ein Wolfswelpe und ein kleiner Löwe – das Flugzeug, dass ihn zu einem Zoo bringen sollte, stürzt ausgerechnet über der Insel ab – Zuflucht bei ihr suchen, entschließt sie sich zu einem gewagten und ungewöhnlichen Schritt. Alma lässt ihr bisheriges Leben hinter sich, bleibt auf besagter Insel, um sich um die beiden Jungtiere, denen sie die klingenden Namen „Mozart“ und „Dreamer“ gibt, zu kümmern und ihnen einen sicheren Lebensraum zu bieten. Bald schon entwickelt sich eine enge Beziehung zwischen Löwe, Wolf und ihrer Beschützerin, doch mit der Harmonie ist es bald vorbei, als der Rest der Welt auf die zu stattlicher Größe herangewachsenen Tiere aufmerksam wird.
Gilles de Maistre, der sich im Verlauf seiner Karriere als Dokumentar- und Spielfilmregisseur mit höchst unterschiedlichen Themen befasste, hat nach Mia und der weiße Löwe (2018) erneut ein Sujet ausgewählt, das sich für einen veritablen Familienfilm samt einer gehörigen Portion Abenteuer bestens eignet. Über die manchmal phantastisch anmutenden Wendungen des Plots kann man mit gutem Gewissen hinwegsehen. Denn diese erzählerischen Volten sind der Absicht geschuldet, entlang aller Spannungsbögen eine einfach herzerfrischende „Feelgood“-Atmosphäre aufrechtzuerhalten, was der Inszenierung auch trefflich gelingt. Mit Molly Kunz hat de Maistre eine Hauptdarstellerin gefunden, die im Umgang und Zusammenspiel mit den tierischen Protagonisten – deren Auftritte ohnehin unschlagbar sind – Sympathiepunkte zu sammeln versteht. Als großes Plus muss man dem Regisseur de Maistre anrechnen, dass sein ein wenig märchenhaft anmutender erzählerischer Gestus wie schon bei Mia und der weiße Löwe von einem ehrlichen Respekt vor der Natur und all ihren Geschöpfen geprägt ist. Diese Haltung wird als deutliches Plädoyer für einen verantwortungsvollen Umgang mit ebendieser Natur auch bei The Wolf and the Lion ungeachtet aller abenteuerlichen Turbulenzen in jedem Kader spürbar.
