Lakonische Komödie über eine ägyptische Polizeiband, die sich in ein israelisches Wüstenkaff verirrt.
Bestellt und nicht abgeholt stehen sie da, die Männer in den akkuraten Uniformen. Die ägyptische Polizeikapelle aus Alexandria wurde für ein Konzert ins benachbarte Israel eingeladen, doch als sie am Flughafen ankommen, ist niemand da, der sie in Empfang nimmt. Wie Fremdkörper wirken sie mit ihrer leuchtend hellblauen Polizeikluft in der braungrauen Einöde, als sich die acht Musiker, ihre Trollies und Instrumentenkoffer hinter sich herziehend, selbst auf den Weg machen durch das nicht gerade freundlich gesinnte Nachbarland. Ein Missverständnis führt sie in ein trostloses Wüstenkaff, in dem sie nicht viel erwartet: ein Imbiss, ein paar Häuser und verstaubte Straßen. Vor allem aber kein Kulturzentrum, in dem sie auftreten sollten, kein Bus vor dem nächsten Tag und kein Hotel weit und breit. So bleibt dem verschlossenen, um Korrektheit bemühten Kapellmeister Tewfiq (Sasson Gabai, der dafür den Europäischen Filmpreis als bester Darsteller erhielt) nichts anderes übrig, als das Angebot der resolut-offenherzigen Imbisschefin Dina (eine moderne Marlene Dietrich: Ronit Elkabetz) zu akzeptieren, mit seinen Männern bei ihr und in der Nachbarschaft Unterschlupf für die Nacht zu finden. Eine Nacht, in der sich Menschen, die sich vor ein paar Stunden noch nicht mal kannten, trotz kultureller Hürden und Vorbehalte, schrittchenweise näherkommen.
In kleinen, subtilen Szenen erzählt der 34-jährige israelische Filmemacher Eran Kolirin in seinem preisgekrönten Kinodebüt vom absurd-komischen Alltag im „Kalten Frieden“ zwischen Israel und Ägypten. Regisseur Kolirin entscheidet sich bei seiner Inszenierung für einen höchst zurückgenommenen Stil. Die in fast statischen Bildern eingefangene Einöde, spärlich eingerichtete Wohnungen und auf ein Minimum reduzierte Dialoge bilden das Gegengewicht zur versöhnlich-harmlosen Grundstimmung und retten den Film vor dem Abgleiten in Pathos und Sentimentalkitsch. Eine wunderbar lakonische, von leiser Melancholie getragene Tragikomödie über eine Völkerverständigung im Kleinen und über das Abkommen von der eingefahrenen Spur, das den Blick auf Neues freigibt. Als die Band am nächsten Morgen abreist, ist jeder, Besucher wie Bewohner, ein bisschen weiser, offener und vielleicht sogar glücklicher. Der Kalte Frieden ist an diesem Tag ein ganzes Stück wärmer geworden. Selbst wenn es nur eine Utopie für knapp anderthalb Kinostunden ist.
