Bestsellerverfilmung, die sich in den Schauwerten einer Großproduktion verliert
Irgendwann musste es dazu kommen. Seit Markus Zusaks Jugendbuch „Die Bücherdiebin“ im Jahre 2005 die Bestsellerlisten eroberte, wurde der mehrfach preisgekrönte Roman des Deutsch-Australiers bereits in 15 Sprachen übersetzt. Höchste Zeit also für eine Leinwandadaption, zumal der Stoff geradezu prädestiniert ist fürs Kino. Erzählt wird darin die Geschichte der neunjährigen Liesel, die 1938 von einer deutschen Familie als Pflegekind aufgenommen wird, nachdem ihre leibliche Mutter von den Nazis verhaftet wurde. Weil Liesel weder lesen noch schreiben kann, richtet ihr der liebevolle Pflegevater im Keller eine Art Übungsraum ein, der bald auch als Versteck für einen jüdischen Jungen herhalten muss, mit dem gemeinsam sie ihre Liebe fürs Lesen und die Magie der Bücher entdeckt, und dabei die Welt um sich herum beinahe vergisst, wäre der Krieg nicht unerbittlich und gnadenlos.
Wie gesagt, ein großer Stoff für großes Kino, allerdings hat man das, was der britische Regisseur Brian Percival und sein Kameramann Florian Ballhaus in gut 130 zähen Minuten zeigen, dann doch schon zu oft gesehen: ein leicht bekömmliches Kriegsdrama, verpackt als kindliches Abenteuer. Zudem dreht der Film die Emotionsspirale, die bereits der Romanvorlage eingeschrieben ist, noch ein Stück weiter, indem er die Rolle der Liesel streng nach dem Süße-Mädchen-Schema besetzt: Sophie Nélisse als Liesel Meminger dürfte mit ihren großen Kulleraugen, goldenen Locken und einer fein abgestimmten Mischung aus Einsamkeit, Widerstandsfähigkeit und Mut so einige Zuschauerherzen zum Schmelzen bringen. Und nicht weniger geschickt ist das Casting der Erwachsenenrollen, wenn man auch das Gefühl nicht los wird, dass hier angesichts der oberflächlichen Charaktere große Darsteller völlig unterfordert sind. Geoffrey Rush scheint sich fast zu wohl zu fühlen in seiner charmanten Vaterrolle als der gutmütige, stets zu Späßen aufgelegte Hans Hubermann, gibt seiner Figur jedoch durch unverhoffte Tonwechsel zwischen Entschlossenheit und Verzweiflung den nötigen Schwung. Und auch Emily Watson als so strenge wie still mitfühlende Mutter, die alles zusammenhält, zeigt einmal mehr vergeblich, dass sie zu den großen Talenten ihres Fachs zählt. Der Anspruch, einen berührenden Familienfilm zu schaffen, ist unübersehbar. Weil aber ein Film wie Die Bücherdiebin sein Publikum wohl eher in Amerika zu suchen scheint, ist das Ganze um einiges seichter und harmloser geraten, als es der Stoff sicherlich verdient hätte. Dafür ist er mitunter ganz hübsch anzusehen und bewegt zumindest streckenweise, oder eben auch nicht.
