Ein spezialgelagerter Sonderfall
Wenn es um jugendliche Detektive geht, sind die 1964 vom US-Amerikaner Robert Arthur ersonnenen Drei Fragezeichen (The Three Investigators) die wohl niveauvollste Buchreihe. Das liegt auch am sympathischen, auf altmodische Tugenden vertrauenden Trio, das einander in aufrichtiger Freundschaft verbunden ist: Der Chef Justus Jonas (im Original Jupiter Jones) ist ein Genie mit fotografischem Gedächtnis und Speckschwarten, der zweite Detektiv Peter Shaw ein Sport-Ass mit Hang zur Ängstlichkeit und der für Recherchen und Archiv zuständige Bob Andrews ein Experte im Aufspüren seltener Texte. Zur Besonderheit der Reihe trug auch das liebevoll-detaillierte Drumherum bei: das auf einem Schrottplatz in der kalifornischen Kleinstadt Rocky Beach versteckte, mit allerlei Gimmicks ausgestattete Detektivbüro, ein Rolls Royce samt Chauffeur als Dienstwagen, die kultige Visitenkarte, unmittelbare Nähe zu Hollywood – was zu Auftritten von skurrilen bzw. geheimnisumwitterten Figuren aus der Traumfabrik führte – und, zumindest für eine gewisse Zeit, die Patronanz Alfred Hitchcocks. Der echte Hitch lieferte selbst zwar keinen kreativen Input, erschien in den Büchern aber als Auftraggeber und Herausgeber. Dazu kamen clever konstruierte Fälle, bei denen das Trio so manche Spukgestalt mit den Mitteln der Logik entlarvte. Nachdem man die Reihe in den USA 1987 einstellte, wurde sie in Deutschland weitergeführt – und läuft, so wie die Hörspieladaptionen, bis heute.
Zwei deutsche Verfilmungen (2006, 2009) konnten am Erfolg allerdings nicht partizipieren; diese waren zu krampfhaft auf modern getrimmt und hatten nichts vom angenehm altmodischen Charme der Reihe. Die drei ??? – Erbe des Drachen ist da schon besser, da viele Trademarks (u. a. ein Filmdreh) zu einem neuen Fall kombiniert werden: Das Trio begleitet eine Filmcrew nach Rumänien, um am Set eines Vampirfilms ein Praktikum zu absolvieren. Doch naturgemäß läuft das nicht glatt – nächtliche Klopfgeräusche, vergifteter Tee, ein grimmiger Hausmeister, die Dracula-Legende, ein Schatz, Geheimverliese und eine mysteriöse Familiengeschichte stellen die Jungdetektive vor Herausforderungen. Zwar mag manches zu offensichtlich sein (die Zahl der Verdächtigen ist klein) und es auch am großen, originellen Geheimnis mangeln – doch ist der Film definitiv ein Schritt in die richtige Richtung. Pluspunkte sind die sympathischen Darsteller, Easter Eggs und sogar kurze parodistische Anspielungen auf Filme wie Coppolas „Dracula“-Version. Ein Traum wäre es natürlich, wenn ein ???-Film mal in den Sechzigern spielen und Hitchcock als Auftraggeber fungieren würde – aber das wird wohl aus budgetären Gründen nicht passieren.
