Die Entführung der U-Bahn 1 2 3

| Holger Römers |

Remake eines Spannungsklassikers aus den Siebzigern.

The Taking of Pelham 1 2 3 basiert auf dem gleichnamigen Film aus dem Jahr 1974, in dem vier schwer bewaffnete Ganoven eine New Yorker U-Bahn samt Fahrgästen in ihre Gewalt bringen, um eine Million Dollar Lösegeld zu erpressen. Im Remake hat sich die Summe nun prompt verzehnfacht, und dieser inflationäre Preisanstieg ist bezeichnend dafür, dass bei der Neuverfilmung das bescheidene Maß des Originals aus den Augen geriet. Wenn es darum geht, kleine, alte Genrestreifen neu aufzulegen, fehlt es Hollywood freilich meistens am richtigen Maß, und von Tony Scott als Regisseur ist Zurückhaltung erst recht nicht zu erwarten. Scott zieht gleich in der Titelsequenz alle Register digitaler Postproduktion und bringt in diesen wenigen Minuten wohl fast so viele Schnitte unter wie TV-Routinier Joseph Sargent einst über die Gesamtdauer des Originals. Dabei wird der Refrain von Jay-Z‘s 99 Problems auf der Tonspur so konsequent verhackstückt, dass eine Art Remix daraus wird – was natürlich umso mehr die rhythmische Dynamik der Bilder unterstreicht. Aber so dynamisch die Sequenz sein mag, so ineffizient ist sie auch, denn dem misogynen Refrain des Rap-Hits fehlt jeder Bezug zur Filmhandlung, und der formale Aufwand untergräbt jene subtile Spannung, die sich im Original einfach daraus ergab, dass wir ein paar Typen mit falschen Schnurrbärten beim stummen Betreten eines öffentlichen Verkehrsmittels beobachteten. In ähnlicher Weise haben leider auch die von Drehbuchautor Brian Helgeland hinzugefügte Nebenfigur eines Polizeiunterhändlers (John Turturro) und eine abwegige abschließende Verfolgungsjagd nur den kontraproduktiven Effekt, den Reiz der simplen Ausgangskonstellation zu verwischen.Während sie den Look aufmotzen und den Plot verkomplizieren, wollen Scott und Helgeland aber paradoxerweise zugleich der Hauptfigur zusätzliche Nuancen verleihen. Deshalb tut der Protagonist hier nicht einfach seinen Job, wenn er in der Schaltzentrale des Verkehrsbetriebes telefonische Verhandlungen mit dem Gangsterboss (John Travolta) führt, sondern er sieht gleichzeitig seine Integrität auf die Probe gestellt. Dabei gelingt es Denzel Washington, unter dem distanziert-korrekten Habitus eines Beamten tatsächlich jene Ambitionen und alltäglichen Nöte durchscheinen zu lassen, die seine Figur unter Korruptionsverdacht geraten ließen. Und im spannendsten Moment dieses fehlgeleiteten Thrillers ist der Mann schlicht gezwungen, beim Telefonat mit einem Fremdem mit sich selbst ins Reine zu kommen.