Die etwas anderen Cops

Filmkritik

Die etwas anderen Cops

| Harald Mühlbeyer |

Will Ferrell und Mark Wahlberg in „Die etwas anderen Cops“ als Möchtegern-Supercops in einer gagreichen Farce

Wie ergeht es eigentlich den Narren neben den Helden? Die Bürotypen und Schreibtischfuzzis, die all den Papierkram erledigen, während die echten Cops sich draußen in Verfolgungsjagden, Schießereien und endlosem Sex ergehen? Also all den Spaß erleben, den unsereins nur aus dem Kino kennt, mit Unfällen, Explosionen, Action, während sich die kleinen Polizisten mit Computerarbeit und fehlenden Genehmigungen für die Errichtung von Baugerüsten abgeben müssen? Dieser Rosenkrantz-und-Güldenstern-Ansatz ist ein origineller Aufhänger für eine Cop-Buddy-Komödie, und da es sich hier um einen Adam McKay-Film mit Will Ferrell in der Hauptrolle handelt, wird er im weiteren Verlauf konsequent ignoriert. Man kennt das aus großartigen Komödien wie Anchorman: The Legend of Ron Burgundy und Talladega Nights: The Ballad of Ricky Bobby, die ein unglaubliches Feuerwerk an Witzen losschießen, die das ohnehin dünne Handlungsgerüst lustvoll einreißen. The Other Guys ist geradliniger, es bleibt eine gewisse Stringenz abseits der assoziativen Reihung von Albernheiten gewahrt – gehörig absurd ist der Film dennoch, auch und gerade weil viele Handlungsstränge liegen bleiben und in der Masse verschiedener Running Gags dem einen oder anderen die Puste ausgeht.

Das muss so sein, denn das ist die Essenz des Humors von Adam McKay: Möglichst viel Witz übereinander werfen, aus jeder Situation das Äußerste herausholen, möglichst die Charaktere aufbrechen, Paradoxien, logische Fehlschlüsse, Absurditäten, spielerische Gagimprovisationen als ganz normal hinnehmen, den Film selbst also zu dekonstruieren.

Diese irrsinnige, hanebüchene Farce um Will Ferrell als knochentrockenen Buchhaltertyp am Polizei-Computer und Mark Wahlberg als dessen draufgängerischen Partner – der ähnlich wie Bruce Willis in Cop Out seinen Witz beweist –, dieser Jux-und-Tollerei-Plot führt uns in die Gefilde der Wirtschaftskriminalität in Zeiten der Abzocker, Milliardenverluste und Investmentbonussysteme. Und abgesehen davon, dass alles lächerlich gemacht wird – das Buddytum, die Männlichkeitsrituale des Copmovies, die Auto-und-Crime-Action, die ehrgeizigen Bullen wie auch die von Gier getriebenen Täter –, beweist der Film nicht nur die Wirksamkeit eines gekonnt gesetzten Zitates aus dem reichen Œuvre der Girlieband TLC, sondern auch noch gesellschaftliches Bewusstsein. Wenn man im Abspann all die Skandale der Finanzkrise, die immens hohen Geldsummen und die ganzen Ungerechtigkeiten des kapitalistischen Systems aufgelistet sieht, möchte man schon wieder weinen.