Filmkritik

Die Frau in Gold / Woman in Gold

| Angela Sirch |
Etwas zu leicht geratene Aufarbeitung der Rückgabe der „Goldenen Adele“

Simon Curtis zeichnet mit seiner neuen Regiearbeit die Ereignisse rund um die Restitution des Klimt-Gemäldes „Adele Bloch-Bauer I“, besser bekannt als „Goldene Adele“, nach. Maria Altmann, die Nichte der Kunstliebhaberin Adele Bloch-Bauer, die für das kostbare Bildnis Modell stand, findet in den späten neunziger Jahren in ihrer Wahlheimat Los Angeles Briefe im Nachlass ihrer verstorbenen Schwester. Diese dokumentieren den Versuch, von den Nazis gestohlene Bilder, die sich im Besitz der großbürgerlichen Familie Bloch-Bauer befanden, wiederzuerlangen. Altmann will der Sache nachgehen und engagiert Randy Schönberg, Junganwalt und Nachfahre des berühmten Komponisten. Obwohl sich Altmann geschworen hat, niemals in das Land zurückzukehren, in dem sie, ihre Familie und so viele Juden unter dem Terror des Nationalsozialismus unfassbares Leid erfahren hatten, macht sie sich mit Schönberg auf nach Wien, um gegen die Unnachgiebigkeit der österreichischen Regierung und für ihr Erbe zu kämpfen.

Der Restitutionsfall rund um Maria Altmann und das berühmte Gemälde ist ein Spiegel dafür, wie Österreich jahrzehntelang mit seiner eigenen Vergangenheit und den Opfern des Nationalsozialismus umgegangen ist. Helen Mirren scheint prädestiniert für die Rolle dieser kämpferischen Frau mit dem trockenen Humor. Gerade deshalb ist es so schade, dass Simon Curtis aus dieser Geschichte nicht mehr gemacht hat. Mirren und Ryan Reynolds als anfangs nervöser, etwas blasser Anwalt sind ein wunderbares Duo, sie bringen eine Leichtigkeit, die man bei dem Thema nicht erwarten würde. Weniger zielsicher gerät Curtis die Fokussierung seiner Inszenierung. Von den zahlreichen Rückblenden, in denen sich Maria Altmann an ihr Leben als junge Frau in Wien erinnert, hätte man einiges einsparen und stattdessen mehr von der Atmosphäre im Österreich zur Zeit des Prozesses einfangen können. Die Vertreter aus gesellschaftlichem Establishment und Politik, allen voran die damalige Ministerin Elisabeth Gehrer, werden zu Recht als ignorant und überheblich gezeigt, während „profil“-Herausgeber Hubertus Czernin den positiven Gegenpol darstellt.

Beim Versuch, den Film leichtfüßiger zu machen, verlieren aber leider sowohl die Figuren als auch die Geschichte an Facetten. Man hätte ein differenzierteres Bild der Vorgänge erhalten, wäre der Blick auch auf die rege Medienberichterstattung dieser Zeit und den bockigen Widerstand eines Landes gerichtet gewesen, das sich viel zu lange nicht aus der Opfer-Rolle begeben wollte.

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