Die Geschichte meiner Frau

Filmkritik

Die Geschichte meiner Frau

| Kirsten Liese |
Literaturverfilmung, in deren Mittelpunkt eine ebenso verrätselte wie verhängnisvolle Beziehung steht.

Die schicksalhafte Begegnung ereignet sich Anfang der zwanziger Jahre in einem Hamburger Lokal. Halb im Scherz wettet der niederländische Kapitän Jakob Störr, er werde die erste Frau heiraten, die zur Tür hereinkäme. Prompt taucht Lizzy auf, eine geheimnisvolle Schönheit, die seinen Antrag annimmt. Wo alles so perfekt vonstattengeht, währt das Glück – man ahnt es – nicht lange. Misstrauen und Eifersucht drängen sich in die Beziehung, zunächst schleichend, dann zusehends zerstörerischer.

Das jüngste Werk der ungarischen Regisseurin Ildikó Enyedi basiert auf dem gleichnamigen Roman ihres Landsmannes Milán Füst aus dem Jahr 1942. Konsequent schildert Die Geschichte meiner Frau die Ereignisse aus der Perspektive des Helden, der, wenn er monatelang auf See ist, nicht weiß, ob seine Frau ihm treu ist. Gijs Naber legt den staatlichen Seemann ambivalent an, der mit jeder noch so stürmischen Wetterlage souverän fertig wird, aber vergeblich und mit wachsender Paranoia um seine Liebe bangt.

Es mag überraschen, dass Enyedi den Protagonisten positiver zeichnet als der Autor. Beschreibt Füst den Kapitän als einen unsympathischen Patriarchen, der sich selbst mehrere Affären mit Frauen zugesteht, so erscheint er hier als ein weitgehend treuer Gemahl, der nur einmal – und dies auch sehr zögerlich – sein Herz für eine Andere entdeckt, als die Ehe nahezu schon zerrüttet ist.

Bisweilen nimmt die Geschichte auch groteske Züge an, wenn mit einem Detektiv und einem Psychiater – grandios besetzt mit Udo Samel und Ulrich Matthes – skurrile Nebenfiguren ins Spiel gelangen, die einem Roman Kafkas entlehnt sein könnten. Seine spannungsreiche Atmosphäre verdankt Die Geschichte meiner Frau vor allem aber Léa Seydoux als einer sinnlichen Verführerin, die mit ihrer Unergründlichkeit Männer in die Verzweiflung treibt. Man könnte sie für ein Luder halten, das Störr ausnutzt und süffisant quält, wenn sie in einer Szene nacheinander vor seinen Augen alles Zerbrechliche von seinem Schreibtisch fegt. Oder für eine launische Diva, wenn sie achselzuckend zur Kenntnis nimmt, dass er bei einem Schiffsunglück hätte ums Leben kommen können. Aber womöglich liegt der Grund für ihr abweisendes Verhalten auch in dem wachsenden Kontrollzwang ihres Mannes. Trotz subtilen psychologischen Beobachtungen bleibt vieles im Vagen.

Aber gerade so manche Rätselhaftigkeiten befeuern die Raffinesse des elegant inszenierten, mit prächtiger Ausstattung bestechenden Films, der sich in all seiner Geheimnishaftigkeit nicht mit einem bloßen Machtkampf zwischen den Geschlechtern begnügt. Und vor allem eines ist: großartiges Schauspielerkino.