Tragikomische Abrechnung mit Lars von Triers Zeit an der Filmhochschule
Der filmbegeisterte Erik Nietzsche (unschwer als Lars von Triers Alter Ego zu erkennen) wird nur durch einen glücklichen Zufall an der Filmhochschule aufgenommen. In dieser altehrwürdigen Institution wird aus dem schüchternen, naiven Jüngling innerhalb weniger Jahre ein karrierebewusster Zyniker, der das System von Intrigen und persönlichen Abhängigkeiten durchschaut und ausnützt, um seinen Traum vom professionellen Filmemachen zu verwirklichen. Dazwischen liegen einige amouröse Abenteuer mit Kommilitoninnen, interne Konkurrenzkämpfe und ein lange anhaltender Streit mit arroganten und inkompetenten Professoren. In anekdotischer Form berichtet Lars von Trier – der das Drehbuch schrieb und die Inszenierung Jacob Thuesen überließ, der ebenfalls an der Filmhochschule Kopenhagen studierte – vom tragikomischen Alltag an einer Filmausbildungsstätte. Mit viel Lust an schräger Situationskomik und amüsanten Aspekten des schwierigen Unterfangens, die Kunst der Filmregie abseits der Basistechnik zu unterrichten, entwirft er ein Sittenbild einer Institution, die, stellvertretend für die meisten ihrer Art, von hierarchischem Denken und persönlichen Scharmützeln geprägt ist.
Die gute Besetzung und die detailgenaue Ausstattung versetzen uns mühelos in das Dänemark der frühen Achtziger Jahre, der Ton des im Original vom Autor gesprochenen Off-Kommentars ist leicht, die skurrilen Erstversuche der angehenden Filmemacher sorgen für ein anhaltendes Schmunzeln. Und doch bleiben die Charaktere zu distanziert, man schaut ihnen gerne zu bei ihren demütigenden Niederlagen und seltenen Siegen gegen das eigene Unvermögen und die Allmacht der Professoren, aber emotional involviert ist man dabei nicht. Die Liebesgeschichten werden beiläufig abgehandelt, wie überhaupt die Figuren kaum in dramaturgisch sinnvolle Beziehungen zueinander gesetzt werden. Von Triers Blick auf diese prägende Lebensphase ist gewohnt spöttisch und distanziert, dabei schont er weder sich noch andere. Trotz oder vielleicht eher wegen seiner phänomenalen Beobachtungsgabe verliert er sich zu sehr in den Details und konzentriert sich zu wenig auf die persönliche Motivation und die Plausibilität der Wendepunkte in der spannenden Frage, wie aus einem freundlichen Menschen in einer solchen Ausbildungsstätte ein selbstgerechter Machtmensch wird. So lernte der junge Lars an der Hochschule wenig über das Filmemachen, aber dafür umso mehr darüber, wie man sich innerhalb der Gesellschaft durchsetzt. Immerhin verdanken wir dieser Erkenntnis einige der auch formal interessantesten Filme der letzten Dekaden.
