Die letzten aufrechten Römer versuchen, den Untergang des Imperiums aufzuhalten. Vade retro, Barbarus!
Im Jahre 476 nach Christi steht es gar nicht gut um das Römische Imperium. Das einstmals mächtige Reich ist mittlerweile schwer angeschlagen, Rom wird von den Goten unter der Führung des berüchtigten Odoaker kontrolliert, der zudem auch noch den zwölfjährigen Romulus Augustus, soeben frisch zum Kaiser gekrönt, in seine Gewalt bringt. Alle Hoffnungen ruhen nun auf dem Kommandanten der kaiserlichen Garde, Aurelius (Colin Firth), der mit einigen wenigen Getreuen den jungen Caesar befreien und sicher zur geheimnisumwitterten letzten Legion in Diensten Roms nach Britannien bringen soll.
Soweit der etwas abenteuerliche Plot, der in gewissem Sinn auch gleich die Richtung, die der Film nimmt, bestimmt, denn Doug Lefler inszeniert The Last Legion ganz nach dem Modell des so genannten Sandalenfilms, jener Historienfilme, die in den 1950ern und 60ern serienweise in den Studios von Cinecittà produziert wurden. Was im Fall von The Last Legion dann ein klein wenig geschichtlichen Hintergrund bedeutet, der jene Kulisse bildet, in welcher ein Stück opulent ausgestattetes Abenteuerkino samt zahlreicher Kampf- und Actionsequenzen abläuft.
Zack Snyder benützte die Anleihe an historischem und mythologischem Material, um 300 als formal hochmodernes Spektakel zu inszenieren, das sich visuell überwältigend präsentierte, jedoch wegen einiger eher ungeschickt als böswillig eingesetzter dramaturgischer Elemente zur Zielscheibe heftiger Kritik wurde. Vom Vorwurf, ideologisch bedingte Missverständnisse ausgelöst zu haben, wird Doug Leflers Inszenierung mit Sicherheit verschont bleiben, orientiert sich diese doch ganz an traditionellen und erprobten Genre-Mustern. Dabei sind die Fronten klar abgesteckt, die tapferen Römer agieren pflichtbewusst und heldenhaft, die Barbaren (Markenzeichen: lange geflochtene Haare und Bärte) brutal und hinterhältig, wie nun einmal Barbaren zu sein haben.
Zweifellos eine Anhäufung von Genre-bedingten Stereotypen, die Regisseur Lefler einsetzt, und dennoch gelingt es ihm, The Last Legion vor dem Untergang zu retten. Denn immerhin versteht er es, diese Elemente soweit zu dosieren und zu variieren, dass seine Inszenierung (die auch temporeich und dynamisch abläuft) letztendlich wie eine liebevolle Hommage an die längst vergangene Epoche des Historienfilms erscheint, die man nur mehr auf dem Fernsehschirm zu erfahren glaubte. Ein Kinoerlebnis voller Retro-Charme erkämpft The Last Legion allemal.
