Biopic der konventionelleren Sorte, das gar nicht heimlich Werbung für eine Luxusmarke macht.
Barbe-Nicole Clicquot, geborene Ponsardin (1777–1866) ging in die Geschichte ein als erste Frau, die ein Champagnerhaus leitete. Sie gab sowohl einem fein perlenden Schaumwein ihren Namen als auch dem Vertriebshaus Veuve Clicquot Ponsardin, das freilich mittlerweile kein Familienbetrieb mehr ist, sondern zur LVMH-Gruppe gehört, dem weltweiten Branchenführer der Luxusgüterindustrie. Die merkantilistischen Fakten aber halten ja schon lange niemanden mehr vom Romantisieren ab. Weswegen auch das der durchsetzungsfähigen Madame gewidmete Biopic, Widow Clicquot, eines von jener Sorte ist, die vorgeblich vom Leben einer Frau erzählen, die sich in ihrem Leben erzählenswerte Verdienste erworben hat. Und die dieses Leben sodann nahezu ausschließlich in Relation zu jenen Männern erzählen, mit denen diese Frau in romantischen Verhältnissen und/oder amourösen Verwicklungen stand, Affären und Liebschaften nicht zu vergessen.
Anstatt also zu erfahren, was die Frau sich dachte, als sie dieses oder jenes machte, erfahren wir, was sie fühlte, als sie diesen oder jenen umarmte. Außerdem erfahren wir, und das ist im vorliegenden Falle besonders zu beklagen, so gut wie nichts über die Kunst der Champagner-Herstellung. Immerhin aber, dass die Flaschen, sofern aus Glas von minderer Qualität gemacht, unter dem hohen Druck des darin zu perfekter Reife gärenden Edelgetränks gern mal explodierten und sich der Weinkeller dann in eine recht gefährliche Schießbude verwandeln konnte. Davon abgesehen sehen wir die Witwe bei Kerzenschein mit Pipette und Kolben hantieren und Weine verschneiden und verkosten und vor sich hin sinnieren. Beziehungsweise sich (mehr oder weniger) wehmütig an ihren (mutmaßlich) manisch-depressiven Gatten erinnern, der ihr das Weingut vermacht hat, bevor er sich umbrachte, und das sie nun gegen den Willen des Schwiegervaters sowie überhaupt der ganzen männerddominierten Winzergegend weiterführt. Die Rückblende ist das narrative Mittel der Wahl dieses Films sowie der lyrisch-poetische Ton, der angeschlagen wird, wenn Barbe-Nicole und François in der weichgezeichnet schönen Landschaft und perfekter Lichtstimmung nach den Reben greifen und vom Terroir fabulieren. Gleichermaßen bemerkenswert: wie wenig hier eigentlich vom Rausch die Rede ist – geschweige denn, dass er an nur einer Stelle nachvollziehbar fühlbar würde – respektive die so gefährliche wie gewünschte Wirkung des Nervengiftes Alkohol überhaupt nur reflektiert wird. Schaut sich an wie ein Formel-1-Rennen mit angezogener Handbremse.
