Filmkritik

Die Wunderübung

| Andreas Ungerböck |
Sympathische Theaterverfilmung, nicht mehr und nicht weniger

An diesem Film ist alles sympathisch: der Regisseur Michael Kreihsl, einer der profiliertesten des Landes, der Erfolgsautor Daniel Glattauer, auf dessen Theaterstück – von Kreihsl bereits 2015 in den Wiener Kammerspielen höchst publiksträchtig inszeniert – der Film beruht, die Darstellerin und die beiden Darsteller, alle drei Publikumslieblinge ersten Ranges, das Setting und auch das Stück selbst, das hier weitgehend in einem theatralen Rahmen verbleibt, weil es sich nun einmal zum allergrößten Teil im Behandlungszimmer des Therapeuten Harald abspielt. Zu diesem Harald also kommt das Ehepaar Joana und Valentin Dorek, um sich beraten, wenn nicht gar „heilen“ zu lassen. Zumindest sagen sie das, ihr Verhalten in der Folge lässt daran allerdings ernste Zweifel aufkommen. Wie auch immer: Die Ehe der beiden ist offenkundig im Eimer, nichts geht mehr, keine/r hört mehr zu, sie kennen einander in- und auswändig und finden kein gutes Haar mehr aneinander. Jedes Wort auf der einen führt zu Häme oder, schlimmer, zu Aggression auf der anderen Seite. Haralds Versuche, mit allerlei Vorschlägen, sanften Anweisungen und Rollenspielen in diese seelische Trümmerlandschaft vorzudringen, scheitern an der Borniertheit der beiden, potenziell gute Ansätze zum gegenseitigen Verständnis verlaufen alsbald wieder im Sand. Doch dann, während einer dringend benötigten Pause in der desaströsen Therapiesitzung, beginnt sich das Blatt auf geradezu wunder(übungs)same Weise zu wenden.

Kreihsl hat, wie er sagt, die Dialoge des Theaterstücks zugespitzt, die Situation verdichtet, doch muss man leider sagen, dass der eine oder andere scharfzüngige Dialog (so viele sind es dann doch nicht, eher sind es Schlagabtäusche, die man – wenn schon hoffentlich nicht im eigenen Leben – vielfach im Kino, im Theater, in der Literatur gesehen, gelesen und gehört hat) und die Darsteller, die sichtlich mit Verve und Begeisterung an der Arbeit sind, noch keinen wirklichen Film ergeben. Es ist eben, ohne das despektierlich zu meinen, abgefilmtes Theater, wobei die Crux genau darin besteht, dass im betont nüchternen Setting und mit der Leinwand als „Barriere“ die viel beschworene Magie der Bühne fehlt. Das größte Problem ist jedoch, dass die therapeutische Maßnahme, die letztlich – Achtung, Spoilerchen – den Knoten zum Platzen bringt, a) schon im Titel angekündigt wird und b) nach ungefähr der Hälfte des Films mit Händen zu greifen ist, was der Spannung doch ziemlich abträglich ist. Dafür können weder der Regisseur noch die Darsteller etwas, das ist einfach diesem Stück immanent. Die Zuschauerin oder den Zuschauer lässt der Film etwas ratlos zurück.