Eine junge Frau wird von einer alten Vettel mit einem Fluch belegt.
Die Hölle auf Erden erlebt eine ehrgeizige Bankangestellte, nachdem sie einer Kundin das Haus gepfändet hat. Denn die verärgerte Frau versteht etwas von schwarzer Magie, wird zur Furie und ruft einen Dämon namens Lamia an, der die blonde Bankerin nach drei Tagen in den Orkus zerren soll. Diese sucht er in wechselnder Gestalt heim, als Fliege, Schleier oder schwarzer Schatten, und terrorisiert die Todgeweihte, die mit Hilfe eines indischen Wahrsagers und einer mexikanischen Exorzistin verzweifelt versucht, den bösen Fluch zu bannen.
Nachdem er als Regisseur der Spiderman-Blockbuster reüssiert hatte, besann sich Sam Raimi wieder auf seine Wurzeln und inszenierte ein Höllenspektakel mit extrem hohem Ekelfaktor: Viel Kotze, Spucke, Schleim – Blut spritzt dagegen nur in einer Szene. Raimis erster Horrorfilm The Evil Dead (1982) war so Grauen erregend, dass der Film in Deutschland indiziert wurde. Er frappierte durch seine grelle, ungeschliffene Machart und originelle Kamera-Arbeit. In Drag Me to Hell sind die Schockeffekte technisch wesentlich ausgereifter, reizen aber häufig eher zum Lachen, anstatt gruselig zu wirken. Einige der Spukgestalten könnten aus einer Geisterbahn entliehen sein. Sam Raimi und sein Ko-Autor, Bruder Ivan Raimi, bieten Horror alter Schule, was schon zu Beginn durch das klassische Universal-Logo angedeutet wird, war doch dieses Studio einst berühmt für seine Horrorproduktionen. Geöffnete Gräber, Spukhäuser, klirrende Kristall-Luster, knarrende Geräusche vom Dachboden, Poltergeisterscheinungen – Drag Me to Hell ist ein Kaleidoskop bekannter Genremotive, mit gradliniger Dramaturgie und dröhnender Musik, ohne wirklich neue Ideen. In The Ring war es ein Videoband, in One Missed Call ein Mobiltelefon, mit denen ein tödlicher Fluch weitergegeben wurde, und hier ist es ein simpler Knopf, der einen das Fürchten lehren soll – was nicht funktioniert.
Der Film zeigt wieder einmal, dass sich Gruselstimmung nicht einfach durch möglichst krasse Ekelbilder und knallige Soundeffekte erzeugen lässt. Man muss das Geschehen ernst nehmen können, und das gelingt hier nur in wenigen Szenen. Wie in der Sequenz, wo die Bankerin mit ihrem Verlobten zum Abendessen mit dessen neureichen Eltern geht. Dabei erweist sich die alte Dame als derart dünkelhaft und giftig, dass man es beim Gedanken, so eine Schreckschraube als Schwiegermutter zu haben, wirklich mit der Angst zu tun bekommen kann.
