Ein harmloser Durchschnittsbürger gerät unfreiwillig in das Zentrum einer Verschwörung.
Es wird wohl kein Zweifel mehr bestehen, dass die Ereignisse von 9/11 nachhaltige und tiefgehende Veränderungen bewirkt haben, die über die Terroranschläge selbst weit hinausgehen. Unter dem Kampfruf „War on Terror“ ließen sich Eingriffe in bürgerliche Grund- und Freiheitsrechte durchsetzen, die man noch vor zehn Jahren nur in diktatorischen Systemen oder in der Imagination George Orwells für möglich gehalten hätte. Und dies beschränkt sich keineswegs nur auf die Vereinigten Staaten des George W. Bush.
Dass ein von realer Bedrohung, Propaganda und Paranoia geprägtes gesellschaftliches Klima bald Eingang in die Populärkultur finden würde, war nicht schwer zu prognostizieren. Polit-Clown Michael Moore verließ sich in Fahrenheit 9/11 auf seinen bewährten Mix aus Dokumentation und Satire, auch Hollywood griff auf fiktionaler Ebene Themen wie Verschwörung, Terrorismus und ausufernde Staatsgewalt auf. Auch der Plot von Eagle Eye operiert mit derartigen Motiven: Ein junger Mann namens Jerry (Shia LaBeouf) wird völlig unerwartet aus seinem normal verlaufenden Leben gerissen, als er seine Wohnung voll mit Waffen und Sprengstoff vorfindet und er über Telefon von einer mysteriösen Frauenstimme mitgeteilt bekommt, dass er Mithilfe bei einer Reihe von Attentaten zu leisten habe. Jede Weigerung scheint zwecklos, denn die unbekannte Anruferin ist in der Lage, jeden seiner Schritte zu überwachen und wie durch Zauberhand Maßnahmen gegen jeden Widerstand einzuleiten. Schon bald gerät Jerry als vermeintlicher Terrorist ins Visier des FBI, und so sehen sich er und Rachel, eine weitere unfreiwillige Attentäterin, gezwungen mitzuspielen, um vielleicht so die wahren Drahtzieher enttarnen zu können. Versuchten Filme wie Syriana oder Rendition brisante Inhalte auf elaborierte Art und Weise in dramaturgisch populäre Formen zu integrieren, ist Eagle Eye die auf Mainstream-Geschmack zugeschnittene Krach-Variante. Eine nahezu durchgehende, dahinrasende Abfolge von Verfolgungsjagden überdeckt schon aufgrund des irrwitzigen Tempos alle Unwägbarkeiten des Plots, das Menetekel des totalen Überwachungsstaates dient primär als Vehikel für ausgefeilte Action-Sequenzen. Doch vielleicht ist diese Warnung immerhin spektakulär genug in Szene gesetzt, um auch innerhalb der breiten Zielgruppe eines derartigen Films jene Zuschauer zum Nachdenken zu bringen, die die erzreaktionäre Waffenlobbyistin, radikale Abtreibungsgegnerin und Gouverneurin von Alaska für eine geeignete Vizepräsidentin der USA halten.
