Während wir weiterhin auf die Kinoöffnung warten: ein Wegweiser durch den dichten Streaming-Dschungel im März.
Mit Raya und der letzte Drache (Raya and the Last Dragon) wäre wohl in normalen Zeiten ein veritabler Blockbuster-Kandidat an den Kinostart gegangen, doch aus allseits bekannten Gründen feiert das Animation-Abenteuer nun am 5. März auf Disney+ seine Premiere. In der fantastischen Welt von Kumandra muss Raya, Wächterin des Drachenjuwels, den letzten noch lebenden Drachen, ein sagenumwobenes Geschöpf namens Sisudatu, zu finden, denn nur mit vereinten Kräften könnte es gelingen, einer große Bedrohung, die die Existenz von ganz Kumandra gefährdet, Herr zu werden.
Dass wir das noch erleben dürfen/müssen: Plappermaul Eddie Murphy, dessen großen Erfolge eher in den achtziger Jahren angesiedelt waren (und, ja okay, als Stimme des Esels in der Shrek-Franchise) hat seinen Coming to America von 1988 noch einmal ausgegraben und verpasst diesem mit Coming 2 America (Prime Video, 5. März) ein spätes Sequel. Der afrikanische Monarch Akeem erfährt, dass er in den USA einen Sohn hat und macht sich daran, diesen zu treffen. Regie führt Craig Brewer, der schon das letzte Murphy-Werk Dolemite Is My Name (2019) mit erschaffen durfte, von den alten Mitstreitenden sind immerhin unter anderem Arsenio Hall, James Earl Jones und Garcelle Beauvais mit dabei. Und auch Wesley Snipes, der wahrlich ebenfalls schon mal bessere Tage gesehen hat, unterstützt seinen alten Kumpel Eddie.
Komödiantisch gibt sich auch Netflix ab 12. März mit Yes Day. Das Ehepaar Carlos (Edgar Ramirez) und Alison Torres (Jennifer Garner) entschließt sich, nicht immer nur nein zu sagen, sondern seinen drei Kinder einen Tag lang alles zu erlauben – siehe Titel. Das erinnert die Filmkennerin und den Filmkenner von ferne an Jim Carreys Liar Liar (1997), als dieser auf Wunsch seines Sohnes einen Tag lang immer die Wahrheit sagen musste. Ob das neue Unterfangen auch so spaßig wird, wird sich zeigen. Jedenfalls macht sich die Familie auf, einen turbulenten Tag in Los Angeles zu erleben. Regisseur Miguel Arteta ist jedenfalls ein interessanter Mann aus Puerto Rico, der 1997 mit seinem Debüt, dem düsteren Star Maps, einen Independent-Hit landete. Zuletzt drehte er vor allem Episoden von Erfolgsserien wie The Office, Ugly Betty und American Horror Story.
Ab 19. März lässt sich mit The Falcon and the Winter Soldier (Disney+) ein weiteres Kapitel aus dem schier unerschöpflichen Marvel Cinematic Universe aufschlagen. Wie der Titel ahnen lässt, sind hier zwei der beliebtesten Charaktere aus dem MCU zu Gange, gespielt – wie auch in den Kinofilmen – von Anthony Mackie und Sebastian Stan. Die Mini-Serie unter der Regie der erfahrenen kanadischen Filmemacherin Kari Skogland setzt nach Avengers: Endgame (2019) ein und vereint die beiden Helden bei ihren Abenteuern, bei denen sie sich unter anderem mit einer fiesen anti-patriotischen Gruppe herumschlagen müssen. Letztere ist eine Neu-Kreation, die aus der erstmals 1985 in den Marvel Comics aufgetauchten Figur des Flag Smashers (bürgerlich: Karl Morgenthau) entwickelt wurde.
Disney+ STAR bietet ab 26. März die Gelegenheit, sich The Beach wieder einmal anzusehen. Danny Boyle setzte 2000 die Adaption des gleichnamigen Romans von Alex Garland in Szene. Leonardo DiCaprio verkörpert den amerikanischen Studenten Richard, der im Verlauf einer ausgedehnten Asienreise in Thailand eine abgelegene Insel entdeckt, ein geradezu paradiesisch schöner Platz. Dort hat sich eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Aussteigern niedergelassen, die eigentlich nur eine strikte Regel für ihr Zusammenleben aufgestellt haben: Um die Abgeschiedenheit des Ortes zu bewahren, darf die genaue Lage nicht an Außenstehende verraten werden. Schnell lebt sich Richard in der verschworenen Gemeinschaft ein, doch mit der Zeit weist das vermeintliche Paradies Risse auf. Legendär ist der Film auch deshalb, weil im Zuge der Dreharbeiten die schöne Insel Ko Phi Phi dem ökologischen Kollaps zugeführt wurde und anschließend jahrelang gesperrt war.
Ein ebenso berühmter wie berüchtigter Charakter steht im Mittelpunkt der zehnteiligen Serie Godfather of Harlem (Disney+ STAR, 26. März). Ellsworth „Bumpy“ Johnson stieg in den Nachkriegsjahren zu einer der führenden Figuren des organisierten Verbrechens im titelgebenden Stadtteil New Yorks auf. Rasch galt er als einer der bekanntesten Gangster aus der afro-amerikanischen Community. Godfather of Harlem fokussiert auf das Jahr 1963, als Bumpy Johnson nach mehrjährigem Gefängnisaufenthalt seinen Platz wieder einzunehmen gedenkt, doch die Straßen von Harlem stehen mittlerweile unter Kontrolle der Cosa Nostra, genauer gesagt der Genovese-Familie. Ein blutiger Bandenkrieg um die Vorherrschaft scheint unausweichlich. Mit Forest Whitaker als Bumpy Johnson sowie Paul Sorvino, Chazz Palmentieri und Vincent D’Onofrio ist die Serie jedenfalls exzellent besetzt.
Mighty Ducks: Game Changers (Disney+, 26. März) bringt ein Wiedersehen mit einem der unterschätztesten Schauspieler Hollywoods, dessen Karriere leider von einigen Fehlschlägen begleitet war – das betrifft auch seine Regiearbeiten. Emilio Estevez, Mitglied des berühmten Schauspiel-Clans (Vater: Martin Sheen, Brüder: Charlie Sheen und Ramón Estevez) schaffte trotz vielversprechender Anfänge nie den ganz großen Durchbruch. Eine seiner populärsten Figuren war aber die des Gordon Bombay in The Mighty Ducks (1992). Der Anwalt, der nach einem Unfall Sozialdienst leisten muss, gerät an ein Jugend-Eishockeyteam von ewigen Verlierern, dem er als Coach zunächst widerwillig, aber dann mit immer größerer Begeisterung neuen Mut und unbändigen Siegeswillen einimpft. Die unglaublich erfolgreiche Reihe von Filmen und sonstiger Franchise (inkl. einem nach dem Film benannten realen Profi-Eishockeyteam!) zeitigt nun eine Serie. Das musste wohl sein.
