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Filmstart

Ein Tag ohne Frauen

| Pamela Jahn |
Nichts geht mehr!

Was würde passieren, wenn alle Frauen auf dieser Welt für einen Tag lang in Streik treten? Der Gedanke ist verlockend, in Island wurde er tatsächlich wahr. Am 24. Oktober 1975 legten etwa 90 Prozent der weiblichen Bevölkerung auf der Insel die Arbeit nieder, Hausfrauen und Mütter weigerten sich zu kochen oder sich um ihre Kinder zu kümmern. Die Betten waren nicht gemacht, Fabriken, Büros und Banken blieben geschlossen, Zeitungen wurden nicht gedruckt, das Telefonnetz lag ebenso lahm wie auch der Flugverkehr.

Aber wie schafft man eine solche friedliche Revolution? Wie gelingt eine derart übergreifende Aktion? Pamela Hogan rekonstruiert in ihrem Dokumentarfilm die Ereignisse um diesen speziellen „Tag der Frauen“. In pointierten Interviews befragt sie Zeitzeugen über die Situation davor und danach – und wie sie das Mittendrin erlebten: „Wir liebten unsere männlichen chauvinistischen Schweine“, erinnert sich eine der Aktivistinnen. „Wir wollten sie nur ein wenig verändern!“

Zu ihren Gesprächspartnerinnen und Partnern gehören auch Vigdís Finnbogadóttir, die erste demokratisch gewählte Staatschefin der Welt sowie der spätere Präsident Guðni Th. Jóhannesson, der das Amt bis zum Sommer 2024 innehatte und im Film von dem tragischen Versuch seines Vaters erzählt, am Streiktag das Abendessen für die Familie zuzubereiten. Aber es sind nicht die berühmten Persönlichkeiten, die hier im Vordergrund stehen. Jede Stimme ist gleichwertig, jede Erinnerung hat ihre Berechtigung, auch jedes Gefühl. Eine Bäuerin etwa empört sich darüber, dass früher nur Witwen dem Bauernverband beitreten konnten. „Muss ich tatsächlich erst meinen Mann umbringen“, fragte sie sich damals, „um als Landwirtin anerkannt zu werden?“

Mit Absurditäten wie diesen treibt die Regisseurin die Geschichte voran, die formal klassisch chronologisch gegliedert ist, von den Anfängen der Bewegung um 1970 bis hin zu den Nachwirkungen des Kampfes dieser mutigen Frauen für Gleichstellung und mehr Gerechtigkeit in der heutigen Zeit. Durchbrochen sind die Interviews mit Frauen aus allen gesellschaftlichen Schichten, Berufsgruppen und Generationen immer wieder von detailreichen Archivaufnahmen sowie skizzenhaft animierten Sequenzen, die mitunter als Rückblenden dienen, wo kein Foto- oder Videomaterial vorhanden war. Am stärksten jedoch sind die Bilder von den verlassenen Spielplätzen, geschlossenen Geschäften, leeren Fabrikräumen und Büros am Streiktag. Sie wirken noch lange nach, wenn die isländische Pop-Ikone Björk zum Abspann ihren Song „Future Forever“ singt.