Veit Heiduschka Magdalena Blaszczuk
Veit Heiduschka; © Magdalena Blaszczuk

Veit Heiduschka

Eins und eins kann auch drei sein

| Andreas Ungerböck |
Veit Heiduschka, der Doyen der österreichischen Produktionsszene, ist auch mit bald 88 Jahren ein sehr aktiver, wortgewaltiger Streiter für die Interessen der Branche. Ein ausführliches Gespräch über leere Fördertöpfe, politisches Kleingeld und die Notwendigkeit, Streaming-Anbieter zur Kasse zu bitten.

Das beherrschende Thema des letzten Jahres war und ist immer noch die Krise von ÖFI+ und FISA+. Was ist Ihre Meinung dazu?
Haben Sie mein Interview im „Standard“ gelesen? 

Nein, absichtlich nicht, sonst neigt man dazu, das zu wiederholen.
Verstehe. Gut, das ist ja auch schon ein Jahr her… Die Kürzung oder Abschaffung von ÖFI+ war nicht durchdacht und daher nicht gut für die Branche. Jeder Betriebswirt, jeder Diplomkaufmann wird Ihnen sagen, es ist besser, die Leute zu beschäftigen, als sie arbeitslos zu lassen. Wir haben in den letzten zweieinhalb, drei Jahren fast zweitausend Leute mehr in die Industrie gebracht. Diesen können wir jetzt keine Beschäftigung mehr anbieten. Ich hatte schon die ersten Anrufe von Leuten, die gefragt haben, ob ich nicht einen Job für sie habe. Wenn bei der VÖEST 300 Leute entlassen werden, gibt es einen Aufschrei. Hier beschäftigen wir ein- bis zweitausend Leute nicht mehr und niemand regt sich auf – außer die Filmschaffenden und die Produzenten. 

Jeder Beschäftigte bringt doch dem Staat Geld, Sozialversicherung, Steuern usw., er bekommt zwar indirekt über Förderung vom Staat Geld, aber er bringt auch wieder Geld. Und das Wirtschaftsministerium hat ja auch errechnet: Wenn der Staat der Filmindustrie einen Euro gibt, kommen drei zurück. Das heißt: eins zu drei. Selbst wenn die Berechnung falsch ist, sagen wir, es ist nur eins zu zwei … Ich kenne kaum einen Wirtschaftsfaktor, der dem Staat so viel zurückbringt. Das Problem ist, dass da nur … wie soll ich sagen, ohne jemanden zu beleidigen? Also da sitzen offensichtlich Leute mit keiner Praxis, die stur sagen, eins und eins ist zwei. Eins und eins kann aber auch mal drei sein. Hier sagt man nur: „Was bekommen wir als Ministerium zurück?“ Sie bekommen natürlich nicht direkt diese Gelder zurück, die kommen ja indirekt. Wir zahlen Steuern. Wir zahlen Krankenkassa. Also, das geht ja an den Staat zurück. Außerdem vergisst man, dass wir bei Koproduktionen ja auch Geld von unseren ausländischen Partnern bekommen, das in Österreich ausgegeben wird. Die gehen davon aus: Wenn sie uns eine Million geben, muss eine Million direkt wieder im Finanzministerium landen. Das sind Bürokraten und Technokraten. Die müssen mal umdenken.

Kultur und Wirtschaft, das ist ja ein alter Gegensatz …
Ja, das große Problem ist natürlich: Wir sind ein Zwitter, wir sind Kultur und wir sind Wirtschaft. Und da wird man immer hin- und hergeschoben. Einmal sind wir Kultur und dann wieder Wirtschaft. Herr Babler hat ja auch, wie ich höre, gesagt: „Ich bin für Kultur zuständig und nicht für Wirtschaft.“ Da kann ich nur sagen, er muss sich informieren oder informiert werden, dass wir auch ein Wirtschaftsfaktor sind. Es gab mal die Berechnung, dass die österreichische Filmindustrie eine Milliarde im Jahr umsetzt. Das ist doch ein Faktor. Und wir sind Arbeitgeber. 50 Prozent unserer Finanzierung bei den Filmen gehen eigentlich in Personalkosten. Das heißt Beschäftigung. Wenn die alle arbeitslos sind, dann muss der Staat sie bezahlen. Und sie sind unglücklich. 

Das vollständige Interview lesen Sie in unserer Printausgabe 02/26.

Aber das ist ja überall dasselbe, beim ORF zum Beispiel. Es geht immer nur um politisches Kleingeld. Da gibt es überhaupt keine Werte, keinen Weitblick. Es geht ja nicht nur um den Film. Es geht auch um die Kultur. Ja, wir sind ein großer Teil davon. Aber Film ist ein kostenintensives Produkt. Ich hatte mal vor vielen, vielen Jahren mit dem Landeshauptmann von Oberösterreich ein Gespräch. Da wollten wir einen Film über Waterloo & Robinson machen und brauchten 100.000 Schilling. „Also, was wollen Sie?“ „100.000 Schilling.“ „Wissen Sie, da gebe ich lieber zehn Feuerwehrkapellen je zehntausend Schilling, die wählen mich alle.“ Dann habe ich gesagt: „Das ist Sachpolitik, aber keine Kulturpolitik.“ Wir sind ein Zwitter. Wir sind unter Umständen sogar Kunst, was ich nicht leichtfertig behaupten kann. Wir sind Kultur und wir sind Wirtschaft, und Film ist kostenintensiv. Ich habe damals zum Herrn Landeshauptmann gesagt: „Wissen Sie was? Wenn Sie einem Dichter tausend Schilling geben, schreibt er Ihnen 100 Gedichte, aber damit fangen wir nichts an, für einen Film müssen Sie schon zwei Millionen hergeben.“
Und was immer vergessen wird: Nicht alle, aber einige unserer Filme spielen ja auch etwas ein. Wir verkaufen auch Filme im Ausland, auch da kommen Steuern herein, wir versteuern die Gewinne. Indirekt kommt das zurück, und aufgrund einer Untersuchung eins zu drei. Und selbst wenn die Berechnung geschönt ist – was man heutzutage nie weiß – sind wir trotzdem ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

Wie steht es um den sogenannten Wettbewerbsnachteil gegenüber dem Osten Europas?
Die osteuropäischen Länder haben verstanden, dass sich Filmförderung für einen Staat lohnt. Es kommt mehr zurück. Ein Beispiel: Ich habe ein englisches Filmprojekt mit 18 Millionen Budget. Der Kopartner fragt mich: Was bringst du aus Österreich mit? Ich muss sagen: nichts. Gut, sagen die, dann gehen wir nach Ungarn. Die drehen in Ungarn, kriegen ungefähr 35 bis 40 Prozent retour von dem, was sie dort ausgeben. Wir können kaum Amerikaner nach Österreich locken, denn es gibt einen Produktionstourismus. Sie gehen auch dorthin, wo sie einen Teil ihrer Finanzierung bekommen. 

Die Dreharbeiten in Wien, hieß es kürzlich bei der Pressekonferenz der Vienna Film Commission, sind im zweiten Halbjahr 2025 um neun Prozent zurückgegangen, es wurde um einiges weniger gedreht.
Ja, es wird weniger gedreht, das ist ganz klar. Ich sage Ihnen, ich habe drei Filme, die in Wien gemacht werden könnten. Und? Danke, auf Wiedersehen. Und ich meine, ein Budget von 18 Millionen, das nach Österreich kommen kann, ist keine Kleinigkeit. Und wenn die auch nur 16 Millionen ausgeben, das ist doch ein Gewinn für Österreich. Deswegen gab es ja auch diese spezielle Förderung von ÖFI+ und FISA+. Die ist ja nicht ohne Grund eingerichtet worden. Und jetzt sagt man wieder: Wir müssen einsparen. Deswegen wurde ÖFI+ gestrichen. Deswegen kommen weniger Produktionen zustande, darum wird weniger gedreht. Man könnte auch anders, denn das ist Sparen am falschen Platz. Bestimmte Dinge muss man einfach durchziehen. Das kostet etwas, ist aber sinnvoll. 

Wie kam es denn überhaupt dazu, dass plötzlich die Töpfe leer waren? Soweit ich weiß, war das wegen des Regierungswechsels oder weil alle gefürchtet haben: Jetzt kommt die FPÖ, es wird gekürzt. Also nehmen wir noch schnell alles heraus aus dem Topf.
Ja, das war ein großes Problem. Wir haben ja 2024 im Herbst noch eingereicht. Nicht nur ich, auch andere große Firmen. Und wir haben dann Mitte Februar schon gearbeitet. Wir hatten damals einen Spielfilm in Koproduktion, der musste im April gedreht werden, weil der Hauptdarsteller nur zu diesem Zeitpunkt zur Verfügung stand. Und dann hieß es Mitte Februar: Tut uns leid, wir haben kein Geld mehr. Ich hätte, wie auch andere Produzenten, zusperren müssen, weil schon so viel Geld ausgegeben worden war. Und meine deutschen Partner hätten das auch nicht mehr fertig machen können. Man muss sich vorstellen: Das Wirtschaftsministerium und andere sind ja durch die Welt gereist und haben überall verkündet: „Kommt nach Österreich, wir haben Geld“, und dann standen wir wie die Deppen da. Dann haben sich die Produzenten gewehrt und gesagt: So kann es nicht sein. Ihr habt uns nicht gewarnt. Es gab auch einen Anwalt, der uns gesagt hat, man könne juristisch gegen den österreichischen Staat vorgehen, denn es gab einen Ministerratsbeschluss für Förderung, und der wurde nicht zurückgenommen. Und so haben wir im guten Glauben vertrauensvoll arbeiten können.

Na ja, das hat natürlich auch nicht gefallen. Und dann haben sie Geld zusammengekratzt und haben die Projekte, die bis 15. Jänner eingereicht wurden, gefördert. Ab da gab es ÖFI+ nicht mehr und wir konnten bis Ende September nicht einmal mehr bei FISA+ einreichen, weil sie keine Anträge angenommen haben. 

Ein Film wie Andrea lässt sich scheiden von Josef Hader wäre ohne FISA+ nicht gemacht worden. Wir hatten ja nicht nur die normale Förderung und den ORF, sondern dazu noch FISA+. Seinen ersten Film, Wilde Maus, hätten wir fast nicht finanzieren können. In Österreich war nicht genug Geld da. So ein Film kostet drei bis vier Millionen, ein normaler Film, einigermaßen ordentlich gemacht. Wenn wir nicht das deutsche Fernsehen dazu gebracht hätten, mitzugehen, hätten wir den Film nicht realisieren können. Und dann war es der erfolgreichste Film des Jahres im Kino und noch dazu in Berlin im Wettbewerb.

Sozusagen ein Glücksfall: künstlerisch erfolgreich und auch an der Kinokasse.
Ja, mehr geht nicht. Wobei ich dazu sagen muss, man wird ja heutzutage schon schief angeschaut, wenn man im Kino Erfolg hat. Nehmen Sie die Akademie des Österreichischen Films. Dort gibt es seit einigen Jahren einen Preis für den erfolgreichsten Film im Kino. Und die junge Garde, die schauen einen nur schief an: „Wenn ich so einen Film gemacht hätte wie die, dann hätte ich was falsch gemacht“, habe ich mal gehört. Aber gut, ich schimpfe ja auch. (Lacht.) 

Wie sehen Sie denn die Situation im Nachwuchs? Wird es für die jungen Leute nicht immer schwieriger, Filme zu machen?
In den achtziger Jahren hat das Österreichische Filminstitut den Erstlingsfilm eingeführt. Wir haben lange mit der Gewerkschaft verhandelt, es ging um 50 Prozent Gagenreduzierung. Die Gewerkschaft war nicht ganz glücklich. Ich verstand das auch. Tatsächlich ist das auch missbraucht worden. Da gab es eine Firma, die ein deutsches Fernsehspiel machte, und dann haben sie nur 50 Prozent Gagen gezahlt, obwohl das natürlich kein Erstlingsfilm war. Aber dennoch war es eine wichtige Neuerung. Ich bin der Meinung, dass heute zu viele junge Leute ausgebildet werden, die dann keinen Platz in der Branche finden. Die fragen sich: Ich mache einen Film, und dann? Was mache ich jetzt? 

Der Filmakademie fehlen auch die finanziellen Mittel, damit die Studierenden problemlos ihre Ausbildung machen und ihre Abschlussfilme finanzieren können. Es wäre gescheiter, wir sagen: Die und die sind befähigt, Buch, Regie, was auch immer zu machen. Wir sehen das bei der VAM (Verwertungsgesellschaft für audiovisuelle Medien, Anm.) ja auch, weil ein Abschlussfilm an der Akademie ja auch nicht voll finanziert werden kann. Dann betteln sie auch überall, was für die Studenten spricht, dass sie diese Kraft aufbringen. Als VAM fördern wir diesen Abschlussfilm, aber nur für die Produktionsklasse, nicht für die Regie, die müssen zur VdFS (Verwertungsgesellschaft der Filmschaffenden, Anm.) gehen. Das ist doch Unsinn, dass die ihren Abschlussfilm machen sollen und nicht und nicht die Mittel dazu bekommen. Meine Idee wäre: Nehmen wir an, 15 Leute sind toll, dann schickt man die ins Ausland. Die kriegen dann für vier Jahre oder fünf Jahre ein Stipendium, dafür reicht das Geld, das der Filmakademie im Jahr zur Verfügung steht, und sie bekommen die gewünschte Ausbildung.

Ich habe mal mit der Deutschen Filmförderungsanstalt gesprochen. Die haben gesagt: Jedes Jahr kommen 70 bis 80 neue Regisseurinnen oder Regisseure zu uns. Die brauchen wir nicht, wir brauchen sie nicht, wir können sie nicht beschäftigen. Wir machen den jungen Leuten Hoffnung. Das ist ja peinlich. Das ist furchtbar. Ich hatte in letzter Zeit drei solche Leute. Es tut mir leid, aber was können sie? Praxis ist etwas anderes, als unter Kolleginnen und Kollegen einen Film zu machen. Aber wie sollen sie in der Praxis lernen? Die meisten Regisseure haben doch gar keine Zeit, sich mit ihnen zu beschäftigen. Das Filminstitut hat damals, das war schon in den neunziger Jahren, beschlossen, dass eine Filmproduktion, die Förderung bekommt, drei Leute bei diesem Film mitnehmen muss, die in verschiedenen Bereichen lernen: Kamera, Licht oder was immer. Diese drei wurden aber zusätzlich zum Budget von der Förderung bezahlt. Und so wurden wirklich Leute in die Branche gebracht. Nicht Regisseure und Drehbuchautoren, sondern diese praktischen Bereiche. War es möglich, die auszubilden? Ja. Die Filmakademie ist künstlerisch ausgerichtet, da kommt kein Produktionsleiter her und kein Filmgeschäftsführer. Deswegen wurde die Filmschule Wien gegründet, wo diese praktischen Dinge gelehrt werden. Aber wir brauchen nicht so viele Leute, das ist leider so. Trotzdem: Gute Leute setzen sich durch. Und man muss vielleicht flexibel bleiben.

Das neue Wundermittel soll ja nun sein, die Streaminganbieter zu verpflichten, dass sie in Österreich investieren.
Die Franzosen haben das schon. Die schöpfen pro Jahr zwischen 300 und 350 Millionen Euro ab. 50 Prozent davon werden für Produktionen mit Netflix und Co. verwendet, und 50 Prozent werden dem französischen Film zur Verfügung gestellt. Das ist natürlich eine ungeheure Summe, aber ich kriege auch in Frankreich nicht nur drei Millionen Förderung, sondern sieben oder acht Millionen – wie Gott in Frankreich eben. Die haben sich das viel gescheiter hergerichtet. 

Wenn man das will, muss man einfach sagen: Wir machen es. Aber ich weiß schon, da kommt der ORF, der muss ja mitbezahlen, und die Privatsender kann man ja nicht ausschließen. Gut, beim ORF kann man sagen, die müssen nicht bezahlen, weil sie eh schon Filmförderung geben. Das kann man anrechnen. Aber die kleinen Privatsender, die jammern natürlich, die sind dagegen. Nur, bringen die Österreich was? Deren Gewinne gehen nach Deutschland, in der Regel.

Wie soll das praktisch ausschauen? Das heißt, Netflix wäre verpflichtet, hier zu drehen …
Nein, die müssen bezahlen, weil sie als internationale Konzerne nicht in Österreich versteuern. Daher sollen sie zu einer Investitionsabgabe verpflichtet werden. Dieses Geld soll für Film- und Fernsehproduktionen verwendet werden.

Ich hatte mit Leuten von einem deutschen Sender ein Gespräch und habe gesagt: Warum wehrt ihr euch? Das Geld geht ja nicht zu den Produzenten. Ich kriege ja nicht Geld, das ich mir einstecke. Das geht ja in neue Produktionen, und das können auch eure Produktionen sein, die plötzlich Geld bekommen. Ihr könnt ja nichts mehr zu hundert Prozent finanzieren. Dieses Geld wird umgelenkt und ist erstmal vorhanden, damit man planen kann. Ein Film, den ich nächstes Jahr drehe, ein interessanter Film, den möchte ich nächstes Jahr machen. Okay. Wie kann ich den finanzieren? Unter anderem mit diesem Geld. Ich finde, das ist eine gute Geschichte. Wie gesagt, die Franzosen haben es einfach gemacht. Und hier wird überlegt und überlegt … Ich habe schon mal gesagt, ich würde gern mal mit dem Bundeskanzler reden und ihm das erklären, weil ich mit vielen Bundeskanzlern in meinem Leben verhandelt habe, über vieles, und immer Zuspruch bekommen und auch Geld bekommen habe, weil die das verstanden haben. Einer muss ein Machtwort sprechen: Ja, das ist gut, das machen wir! Das kann ich nicht mit Kabinettschefs, mit der unteren Ebene aushandeln. Das muss einer von oben bestimmen. Wenn ich Ihnen sage, Herr Dr. Vranitzky saß hier bei mir in diesem Sessel, nicht nur einmal, mehrfach, weil wir Interviews mit ihm gemacht haben, und ich habe gesagt: Herr Dr. Vranitzky, österreichische Filme sind arm, es gibt zu wenig Geld. Und er sagte zu seinen Leuten: Herr Dr. Heiduschka bekommt einen Termin beim Finanzminister.

Ich habe mich vorbereitet, um zu erklären, wie wichtig der österreichische Film ist, dass Film die beste Visitenkarte eines Landes ist. Dazu stehe ich heute noch. Ich habe viele österreichische Filmwochen auf der ganzen Welt eröffnet. In Tokio haben wir eine Filmwoche gehabt. Die Botschaft kam und sagte: Ihr habt ja mehr bewegt, in jeder Zeitung, jedem Fernsehsender war Österreich präsent. Das schafft ja nicht mal die Staatsoper, nicht einmal die Philharmoniker. Und dann kam ich zu Minister Lacina, gut vorbereitet. Wie wichtig der österreichische Film ist … Er hat mich unterbrochen und gesagt: Herr Doktor, die Frage ist, wollen wir oder wollen wir nicht? Ich bin der Meinung, wir müssen. Wie viel Geld habt ihr? 50 Millionen Schilling. Wie viel braucht ihr? Hundert Millionen. Was gibt es noch? Es gibt den kleinen, innovativen Film. Wie viel haben die? Acht Millionen. Wie viel brauchen die? 24 Millionen. Gebongt, sagte er. Und jetzt trinken wir Kaffee.

Aber besteht nicht die Gefahr, dass Netflix dann sagt: Naja, Österreich, okay, das streichen wir.
Nein, nein, das können sie sich nicht erlauben, das tun die nicht.

Das heißt, die sind das quasi von Frankreich schon gewohnt. Die würden das akzeptieren.
Der österreichische Staat muss sich einig sein und sagen: Wir haben eine Mehrheit von drei Parteien, da muss es möglich sein. Wenn die sich zusammentun und sagen, das machen wir, dann schauen wir mal, was passiert. Vielleicht gibt es die eine oder andere rechtliche Frage noch zu klären. Das kann ich nicht sagen, da bin ich nicht der Experte. Dann braucht man nur nach Frankreich schauen. Wie habt ihr das gemacht? Die Franzosen sagen: Ja, kommt zu uns, das haben wir schon mal gehabt. Ich war mal bei Jack Lang, dem großen Kulturminister, zu einem Gespräch, und er hat mir damals gesagt: Die Einzigen, die Regisseurinnen und Regisseure, Schauspielerinnen und Schauspieler und Filmcrew engagieren, sind die unabhängigen Produzenten. Die Fernsehanstalten kriegen jeden Monat ihr Geld. Die müssen damit haushalten. Daher soll es Förderungen nur für unabhängige Produzenten geben. Und das hat er auch in der EU durchgesetzt. Das war auch einer der Gründe, warum Franz Morak als Staatssekretär irgendwann auch gesagt hat: Ja, das ist vollkommen richtig und hat den Fernsehfonds gegründet, eine Förderung für Fernsehproduktionen, die nur für unabhängige Produzenten zugänglich ist. 

Trotzdem müssen die Gebühren für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk so hoch sein, dass der damit nicht nur überleben kann, sondern dass er auch österreichisches Programm realisieren und seinem Auftrag nachkommen kann. Hier nicht die Gebühren entsprechend zu erhöhen, ist politisches Kleingeld, das da geschlagen wird. 

Es gab Politiker, die sich um den Film gekümmert haben. Muss man auch dazu sagen.
Das waren noch Zeiten.

Ja, und jetzt? Es gibt viele Probleme, aber es gibt eben auch das Positive. Wir haben, glaube ich, allein in Wien zehntausend Filmschaffende. Das ist doch etwas. Ich glaube, das ist mehr, als alle Supermärkte zusammen beschäftigen. Das muss man in Relation setzen. 

Jetzt habe ich wieder mal gelesen – ich wusste es ohnehin ungefähr: Es gibt 19 Förderstellen in Österreich für Film. Ist das gut?
Das ist natürlich auch ein Problem. Und keiner gibt etwas ab. Jedes Bundesland hat eine Förderung. Die wollen, dass ihr Land vorkommt. Wobei das in der EU ja eigentlich verboten ist. Das internationale Handelsabkommen sagt ja, dass es keine Wirtschaftsförderung sein darf. Verdeckt ist jede österreichische Regionalförderung eine Wirtschaftsförderung. Wenn du nicht in Österreich, in der Steiermark, in Tirol, in Salzburg, wo auch immer, drehst und hier Geld ausgibst, kriegst du kein Geld. Das ist natürlich eine Wirtschaftsförderung. Das wird immer unter dem Mantel der Kultur abgehandelt. Was ich auch verstehe, dass die sagen, wir wollen nicht als Tiroler Geld dazugeben, wenn am Bodensee gedreht wird oder am Neusiedler See, es sei denn, es werden Tiroler beschäftigt. Das sind die Regionalfonds, wie der Wiener Fonds auch. Wie soll das gehen? Im Prinzip arbeiten ja einige gut zusammen, wie der Wiener Fonds und das ÖFI. Sprechen sich ab, sagen, fördert ihr das? Dann fördern wir auch. Natürlich wäre es sinnvoller, wenn das ein Topf wäre. Aber das geht natürlich nicht. Es gibt doch keiner seine Macht aus der Hand, entscheiden zu können. Und wenn zusammengearbeitet wird, dann funktioniert das auch ganz gut.

Kommen wir zu den Besucherzahlen. Die sind ja letztes Jahr gestiegen, vor allem für den österreichischen Film, da sind es etwa plus 33 Prozent. Das ist schön, aber irgendwie seltsam. Liegt das nur an dem Film „Aufputzt is’“?
Die großen künstlerischen Filme haben diese Zuschauerzahlen nicht. Ich habe mit Michael Haneke nie 200.000 gehabt in Österreich. Beim ersten Film hatten wir, glaube ich, 7.500 Zuseher in Österreich, bis er dann einen Namen hatte. Ich unterscheide immer nationale Filme, unter Anführungszeichen, die nur im eigenen Land funktionieren und internationale, die unter Umständen im eigenen Land nicht funktionieren, aber international verkaufbar sind. Da gab es Hinterholz 8, einer der erfolgreichsten österreichischen Filme. Der wurde nach Deutschland verkauft, aber war dort eine Pleite. Ich habe dem deutschen Verleih damals gesagt: Ihr müsst das synchronisieren, weil das versteht keiner in Deutschland. Die haben, glaube ich, eine Million D-Mark verloren und hatten gerade einmal 30.000 Zuschauer. Später haben sie dann untertitelt. Bei Haneke, ich glaube, bei Funny Games, hatten wir in Österreich nur 10.000 Zuschauer, aber den Film in über 50 Länder verkauft. Das sind dann die, unter Anführungszeichen, internationalen Filme. Beides hat seine Berechtigung. Aber man kann nicht erwarten, dass ein hier besonders erfolgreicher Film dann in der Welt genauso erfolgreich ist. Und umgekehrt. 

Arthouse-Filme haben nur ein bestimmtes Zuschauerpotenzial. Wir haben in den achtziger Jahren einmal eine Untersuchung gemacht: Es gibt maximal 200.000 Leute in Österreich, die sich sowas anschauen würden. Die muss man erwischen, die sind das Zielpublikum. Das ist wie beim ORF, wenn die einen Film haben, der 100.000 Zuschauer hat, dann sind das genau die, die sich dafür interessieren. Ein hundertprozentiger Erfolg. Da können Sie nicht erwarten, dass das 800.000 sind. 800.000 erreichen Sie bei der leichten Muse, nicht bei anspruchsvollen Filmen. Aufputzt is’ kenne ich nicht. Ich kann nichts Negatives, nichts Positives sagen. Meine Friseurin hat gesagt: „Der hat mir so gefallen. Da habe ich so gelacht.“ Toll, wenn man ein Publikum so erreicht. Und unbewusst gibt man immer eine Information mit, egal wie der Film ist, es wird eine Meinung weitergegeben, bewusst oder unbewusst, meist unbewusst. Das ist ja der Vorteil des Kinos, des Films. Wenn Sie zu Hause sitzen: nichts. Wenn Sie im Kino sitzen: Der Nachbar lacht, alle anderen lachen mit, wenn er weint, weinen die anderen auch. Das heißt, das ist ein Erlebnis. Das ist was anderes als Fernsehen. Nichts gegen Fernsehen, aber Kinofilm ist etwas anderes als Fernsehen. Ich habe jahrelang mit den ORF-Leuten gestritten, die gerne sagen: Das ist dasselbe. Aber nein. Es gibt Kinofilme, die haben die Qualität eines Fernsehspiels, und Fernsehspiele, die haben die Qualität eines Kinofilms. Aber im Regelfall ist das etwas ganz, ganz anderes.

Apropos Michael Haneke: Gibt es ein neues Projekt? Werden Sie etwas zusammen machen?
Er sagt: „Wenn ich ein Thema habe und ein Buch, dann komme ich zu dir, und dann machen wir das. Im Moment frage ich mich: Was soll ich dieser Welt noch sagen? Ich glaube, ich habe fast alles gesagt. Aber wenn mir etwas einfällt, wo ich der Meinung bin, das ist es wert, dann komme ich.“

Er wollte doch einmal eine Serie machen …
Ach, das ist lange her. Da muss ich dazu sagen, die Idee gab es schon nach seinem ersten Film, und da bin ich herumgelaufen, zum ZDF, ORF usw. Damals gab es ja keine Serien. „Gehen Sie, was wollen Sie mit einer Serie?“ Und dann, eines Tages erfahre ich, dass es einen deutschen Produzenten gibt, den der ORF eingeladen hat, und den Herrn Haneke eingeladen hat, diese Serie zu machen – und mich nicht, obwohl ich mehr oder weniger das Ganze initiiert habe. Ich habe beim ORF angerufen und gesagt: Was ist passiert, meine Unterlagen, die ich euch gegeben habe, verwendet ihr jetzt? Na ja, nein, du kommst dann schon mit dazu. Ich sagte: Also erstens einmal, die deutsche Produktionsfirma wird das mit Haneke nicht schaffen, weil Haneke muss man anders behandeln als einen Regisseur, der einen Film nach dem anderen dreht. Das ist was anderes. Letztendlich ist die ganze Produktion der Serie daran gescheitert, weil, wie gesagt, diese Produktion um einiges mehr gekostet hätte, als eine übliche Fernsehserie. 

Qualität kostet Geld, und das kann sich keiner mehr leisten. Es gab einmal dieses Projekt von sieben oder acht Fernsehstationen. Da hat jedes Land einen Film gemacht, es war ein fixes Budget festgelegt, dann haben sie die Filme untereinander ausgetauscht. Man hat also einen Film gemacht und sieben andere dazu bekommen. Das war eine tolle Geschichte. Ich weiß nicht, warum das gestorben ist. Man kann dem ORF nur raten, das noch einmal zu versuchen. Das war gelungen. 

Größeres Budget heißt also bessere Filme?
Mit mehr Budget bekommt man jedenfalls eine bessere Qualität, klar. Da kann ich mir einige Schauspieler leisten. Wobei: Die besten Schauspieler müssen nicht das meiste Geld verdienen. So ist es nicht. Aber ich kann mir mehr leisten. Mehr Ausstattung, eine Woche mehr Drehzeit. Nehmen wir wieder Josef Haders ersten Film. Er sagte: Ich habe das Buch geschrieben, spiele eine Hauptrolle und soll auch noch Regie führen. Ich erwiderte: Wer soll das sonst machen? Das ist dein Film. Um ihn zu unterstützen, hat er eine Woche mehr Drehzeit bekommen, weil es ein Erstlingsfilm war. Ein anderer hätte das in sechs Wochen gemacht. Da haben wir eben eine Woche dazugegeben. Und die kostet natürlich auch ein bisschen mehr Geld. Aber es hat sich ja auch ausgezahlt. Wo gibt es denn einen Erstlingsfilm, der in Berlin, bei einem A-Festival, im Wettbewerb ist und dann auch noch der erfolgreichste Film des Jahres im Kino ist? Auch in Deutschland war er ein Erfolg. Das muss der Produzent abwägen, wer was kann oder nicht, wem man vertrauen kann.

Ich habe auf Ihrer Website gesehen, dass Sie allein sieben Spielfilmprojekte am Laufen haben. Ist das noch aktuell? Ich glaube, die Serie „Crystal Wall“ ist ja schon fertig.
Ja, Crystal Wall ist schon gesendet worden. Das ist jetzt die Fortsetzung. Sie ist in Deutschland so gut angekommen, dass das ZDF gesagt hat, wir machen eine Fortsetzung. Da sind wir aber nur Service-Produzenten. Da haben wir bei FISA+ sofort eingereicht beim ersten Termin. Das ZDF hat uns den Letter of Intent gegeben, und wir waren dabei. Und der Österreich-Effekt ist sehr hoch, weil alles in Österreich gedreht wird. Der ganze Film spielt in Berlin, und wir verkaufen Wien als Berlin.

So etwas wurde früher immer kritisiert, bei den „Drei Musketieren“ zum Beispiel: Wien wurde als Paris verkauft. Das ging gar nicht.
Doch, es geht. Ich glaube, die haben letztes Mal einen Tag die Gedächtniskirche aufgenommen und dazwischen geschnitten. Nein, das ist überhaupt keine Frage. Das gesamte Team kommt aus Österreich. Also wir haben einen sehr hohen Österreich-Effekt, auch Personaleffekt. Hier haben wir viel Beschäftigung geschaffen. Was wir nicht haben: Wir haben keine Rechte. Aber die hat der deutsche Produzent auch nicht, denn die Fernsehanstalten behalten die Rechte. 

Was gibt es noch?
Sieben Tage Februar ist ein sehr schöner Film geworden, mit ganz geringem Budget. Der Erstlingsfilm einer Berliner Regisseurin, die wirklich was Gutes abgeliefert hat. Der hat auch in San Sebastian einen Preis bekommen. Es haben sich sofort auch Verleiher gemeldet, international, für einen Erstlingsfilm ungewöhnlich und erfreulich. Dann haben wir Kochschule Schwarz. Der ist in der Fertigstellung. Der war schon fertig, aber die Verleiher haben eine kleine Änderung gewünscht, das wird jetzt gerade gemacht. Dann Freaks, der ist auch in der Fertigstellung. Dann haben wir Frieda. Der ist fertiggestellt, aber noch nicht im Kino. Dann Ich ist ein anderer. Ein hervorragendes Drehbuch. Der wurde auch schon zum Teil vorverkauft. Da sind wir in den letzten Zügen. Man lebt, weil man geboren ist, das ist eine Ko-produktion. Die sind im Schnitt. Ja, das sind die Spielfilme. Wir haben einen gewissen Namen in Deutschland. Und wir hatten das Glück, dass es diese spezielle Förderung gab, und es gibt noch weitere Projekte. Der einzige Nachteil ist, dass ich in Österreich einen Film allein fast nicht mehr finanzieren kann. Und es war ja schon in den achtziger Jahren so, dass es dann durch Koproduktion ein Europudding wird. Weil wenn ich eine französische Schauspielerin habe, wie verkaufe ich das, dass die Österreicherin ist? Aha, die ist die Nichte von der Tante, die in Wien lebt. Aber irgendwie muss man das begründen. Wobei: Bei den beiden Filmen von Hader haben er und die anderen zwei, drei Hauptdarsteller sich selbst Hochdeutsch synchronisiert. Wir haben in Österreich im Dialekt gedreht, aber für Deutschland geht das nicht. 

Bei diesen Projekten tauchen viele neue Namen auf, als Herstellungsleitung, Producer usw. Sind Ihre langjährigen Fachkräfte Frau Lässer und Herr Katz noch da?
Michael Katz und Ulli Lässer haben vergangenes Jahr die Firma verlassen. Katz hat gesagt: Herr Doktor, ich werde 70. Nicht böse sein, aber mit 70 … Meine Frau möchte gern, dass ich zu Hause bin. Auch Ulli Lässer hat sich in den Ruhestand zurückgezogen. Und WEGA-Film hat schon vorher zwei neue Leute aufgenommen, Christian Bachmann und Julian Berner. Die sind sehr gut, die können das auch weitermachen. So eine Serie, das ist ja nicht ganz einfach, so etwas zu machen. Nein, wir haben ein neues Team, das inzwischen auch international schon akzeptiert ist. Meine Tochter arbeitet sehr gut mit den beiden zusammen. Und ja, irgendwann kann ich mich ein bisschen zurücklehnen. Nein, das mache ich jetzt schon. Ich bin nicht mehr an vorderster Front. Aber zum Kontrollieren und Verträge anschauen und Ratschläge geben bin ich da.

Aber filmpolitisch sind Sie schon noch aktiv?
Soweit man mich lässt. Ich kann mit anderen noch verhandeln, wo andere nicht hinkommen. Mir hat einmal ein Freund gesagt: Wenn du einen Hammer hast, musst du ihn benutzen. Und ich habe das Glück, dass man mich als neutral ansieht. Ich habe mit Michael Wolkenstein so viel gemacht, aber nie für die eigene Firma, sondern für die Branche. Wenn es der Branche gut geht, geht es uns auch gut. Wir haben nie nur für uns oder eines unserer Projekte verhandelt. Ich weiß noch, als ORF-Generalintendant Gerd Bacher uns einmal anrief: „Bitte, helft uns, dass wir am Feiertag oder Sonntag Werbung senden können, wir schaffen das nicht.“ Wolkenstein und ich, wir sind ein halbes Jahr gelaufen, von Pontius zu Pilatus, und haben es erreicht. Bacher hat gesagt: Ich verspreche euch, diese Mehreinnahmen durch die Werbung gehen in Auftragsproduktion für die Filmbranche. Lange hat das auch funktioniert, dann nicht mehr. Und wer hätte damals gesagt: Herr Bacher, und was kriege ich jetzt dafür? Das haben wir nicht gemacht, denn das wäre kontraproduktiv gewesen. 

Was tut sich denn bei der VAM? Ich nehme an, auch da gibt es einige neue Herausforderungen und Aufgabenstellungen.
Ja, die gibt es, aber das ist ein bisschen zu früh, da möchte ich noch nicht drüber sprechen. Da gibt es ein paar Dinge. Also erst einmal, ich höre mit 30. Juni als Geschäftsführer auf und werde Ehrenpräsident. Damit ich auch bei den Sitzungen dabei sein und mein Know-how weitergeben kann. Natürlich gibt es da ständig etwas zu tun. Es geht darum, mehr Geld zu bekommen. Die Verwertungsgesellschaften verhandeln ja mit dem Elektrohandel wegen der Urheberrechtsabgaben. Vor zwei Jahren haben wir gesagt: Ihr nehmt mehr Geld ein, weil die Preise gestiegen sind, und uns gebt ihr dasselbe Geld. Man hat uns gesagt: Wartet, wir machen euch einen Vorschlag im Dezember. Der kam nicht. Dann waren wieder Verhandlungen, und dann haben die gesagt: Oktober oder November. Dann haben wir gesagt, also das darf uns nicht wieder passieren. Wir gehen zum Schiedsgericht, Schiedsverfahren, Urheberrecht … In letzter Minute haben sie uns dann einen Vorschlag gemacht, und da haben wir uns einigen können, sodass auch mehr Geld kommt. Es kann ja nicht sein, dass alle mehr Geld einnehmen, und wir Produzenten bleiben auf derselben Stufe. Das ist auch sinnvoll, weil die Verwertungsgesellschaften wieder etwas mehr Geld bekommen.

Wie ist aktuell die Situation zwischen VAM und den anderen Verwertungsgesellschaften?
Jede Verwertungsgesellschaft will mehr haben vom Kuchen. Besonders Bildrechte ist der Meinung, dass sie zu wenig bekommen. Im Moment gibt es Verhandlungen, wie der Gesamtkuchen aufgeteilt wird. Da lassen wir jetzt gerade eine Studie erstellen. Wie werden die einzelnen Medien gebraucht, verwendet? Was ist mit dem Bild? Was ist mit der Musik? Und wenn wir die Ergebnisse haben, gibt es eine Verhandlung, welchen Prozentsatz von den Gesamteinnahmen die AKM kriegt, die Literar-Mechana, die VdFS usw. Diese Verhandlungen stehen noch bevor. 

Wofür genau wird dieses Geld verwendet, wie profitieren Ihre Mitglieder davon?
Der große Vorteil ist, dass wir in Österreich 50 Prozent der Gelder für soziale und kulturelle Zwecke verwenden dürfen. Das ist in Europa nicht immer der Fall. Wir hatten am Anfang, als das eingeführt wurde, das war noch unter Morak, das Glück, mitarbeiten zu dürfen. Die Deutschen waren die Ausländergegner, die wollten uns nur zehn Prozent geben, kassierten aber von unserem Geld 50 Prozent. Der eigentliche Grund waren die Amerikaner. Der ORF hat ja fast nur amerikanische Filme gespielt, das heißt von den Einnahmen der VAM sind fast 80 Prozent in die USA gewandert. Ich konnte damals mit Morak reden und sagen: Das geht nicht. Machen wir 50/50, dann kriegen wir 50 Prozent. Das heißt, die erste Hälfte der Einnahmen der VAM bleibt für soziale und kulturelle Zwecke in Österreich, die zweite Hälfte wird unter den Anspruchsberechtigten aufgeteilt. Und wir können mit dem Geld für soziale und kulturelle Zwecke einiges anstellen. Soziale Zwecke sind vorrangig, dann kommt Kultur.

Was kann man sich darunter vorstellen? Soziale Zwecke?
Altersversorgungszuschüsse zum Beispiel. Unterstützung im Krankheitsfall unter Umständen. Wir geben zum Beispiel etwas Geld für private Krankenversicherung. Oder wenn jemand unverschuldet in Not gerät. Wir können keine Produzenten fördern, wenn es ihnen wirtschaftlich nicht gut geht, aber im Falle von Krankheit oder für Notfälle haben wir auch einen bestimmten Posten. Da kann die VAM einschreiten und helfen, weil eben Soziales vorrangig zu behandeln ist.