Dokumentarisches Porträt zweier Rumäniendeutscher, die in Siebenbürgen Zeugen des Verschwindens ihrer eigenen Kultur werden.
Der 82-jährige Siebenbürger Sachse Johann Schuff lebt alleine auf seinem alten Bauernhof im rumänischen Transsilvanien (Siebenbürgen). Die einzige Reise ins Ausland unternahm er als Panzerfahrer im Zweiten Weltkrieg, seither hat er das Land nicht mehr verlassen. Mit den Leuten in der Umgebung will der nicht unsympathische Misanthrop nur wenig zu tun haben. Maria Huber ist knapp 90 Jahre alt, Landlerin und damit Nachkommin der im 18. Jahrhundert aus dem Salzkammergut nach Siebenbürgen deportierten Protestanten. Während des Zweiten Weltkrieges wurde sie, wie die meisten in Rumänien verbliebenen Sachsen und Landler, in die Sowjetunion zur Zwangsarbeit verschleppt. Als sie nach sechs Jahren zurückkehrte, gab es kaum noch deutsche Männer in der Provinz, einen Rumänen wollte sie trotzdem nicht heiraten.
Regisseur Hauzenbergers Porträt zeichnet das Bild einer Kriegsgeneration, bei der die Vergangenheitsbewältigung im Vergleich zu Deutschland oder Österreich noch einmal anders funktionierte. Als Angehörige der deutschen Minderheit waren sie fern der Heimat stets bestrebt, noch „deutscher als die Deutschen in Deutschland“ zu sein. Entsprechend hinterfragbar sind auch Teile des selbst entworfenen Weltbildes, besonders jenes von Johann Schuff, der nach wie vor den Stolz der deutschen, nationalsozialistisch geprägten Siegerkultur in sich trägt. Die Ansichten des bekennenden Atheisten, Nihilisten, Skeptizisten und Hitleristen zu den Themen Gott, Tod und den Menschen sind aber von sehr eigenständigem Denken geprägt.
Hauzenberger lässt seinen Protagonisten viel Zeit zum Reden. Er lässt sie über die Geschichte der Einwanderung erzählen, über ihr Verhältnis zu den Rumänen, über den Krieg und ganz besonders auch über den Tod. Er zeigt sie zu Hause in ihren eigenen vier Wänden, bei der Arbeit im Garten oder am dörflichen Friedhof. Dort hat etwa Maria Huber bereits die ersten Ziffern ihres Todesjahres in den Familiengrabstein graviert, die sie mit dem Jahrtausendwechsel bereits überlebt hat. Beiden gemeinsam ist neben der unsentimentalen Einstellung zum Tod auch das Bewusstsein, einer Volksgruppe anzugehören, die sich selbst bei ihrem langsamen Verschwinden zusehen kann. Hauzenberger hält auf sehr persönliche Weise ihre spezielle Mentalität fest, im besten Wissen, dass das in dieser Form wohl in einigen Jahren nicht mehr möglich sein wird.
