Gebührend, weil äußerst gekonnt: Ein Film über eine Ausnahmefigur
Wen sprechen lassen über das Leben der großen österreichischen Künstlerin, die sich, mehr als „bloß“ Schriftstellerin, mit ihrer gelebten Sprache des Widerstands auch selbst in die jüngere Geschichte dieses Landes eingeschrieben hat? Primär sie selbst, die Texte auch von anderen, montiert mit unterstützenden, wie auch Kontrast-Bildern – so die Struktur, für die sich Regisseurin Claudia Müller entschied.
Das Resultat gibt Recht, entstanden ist ein kleines Juwel von einem Film, das trotz seiner Kunstfertigkeit nicht mehr glänzen will als die Frau, die es vielschichtig porträtiert: Elfriede Jelinek spricht, liest, betrachtet, wir sehen und hören sie in verschiedenen Stufen ihres Lebens und Schaffens, begreifen ihre Persönlichkeit von den Anfängen einer zwischen Katholizismus, Judentum, der sozialdemokratischen Idee und Faschisten-Enkelkindern zerrissenen Kindheit, ihren literarischen Aufstieg und den eklatanten Unwillen der österreichischen Gesellschaft, ihren Wahrheitsfindungen ins Auge zu blicken. Wie als hätte man sich zum Ziel gemacht, die berühmt gewordene Einleitung der Nobelpreis-Begründung – „ … für den musikalischen Fluss von Stimmen und Gegenstimmen in Romanen und Dramen die mit einzigartiger sprachlicher Leidenschaft die Absurdität und zwingende Macht der sozialen Klischees enthüllen“ – in einen Film zu übersetzen, vermag der biografische Strom auch deshalb mitzureißen, weil er nicht nur die Persönlichkeit Elfriede Jelinek, sondern auch die weitere soziale und politische Verfasstheit spürbar macht. Die „für alle Frauen mitschreibende“ Autorin ist eigene Stimme und Gegenstimme gegen Bilder von etwa Waldheim, Haider und die verhassten Skilifte. Das Gelesene stammt etwa aus „Die Kinder der Toten“, dessen Bedeutung Jelinek in einer Passage eindrücklich affirmiert, oder aus „Die Klavierspielerin“, aber auch aus weniger bekannten Arbeiten wie den Betrachtungen zu Udo-Jürgens-Liedtexten und formt chronologische Anhaltspunkte mit. Bildlich erstreckt sich die Bandbreite von altem Videomaterial, TV-Ausschnitt und Theaterbühne bis hin zu trügerischer Landschaftsruhe und Ischgl-Exzess.
Trefflich kristallisiert sich im Film auch heraus, welch zentrales Moment Jelineks Beschäftigung mit dem Propagandafilm Heimkehr und Paula Wessely darstellt. Fungiert „Burgtheater“ als bekannter Scheitelpunkt, ist der Nobelpreis-Gewinn jedoch die deutlichste dramaturgische Klammer, die in dieser wunderbaren, nie trockenen Würdigung mit Nachdruck bloßlegt, dass es sich als kritische Kunstschaffende öffentlich kaum leben lässt.
