Ema Film

Filmkritik

Ema

| Jakob Dibold |
Farbenfroh brennendes Gegenteil von gut gemeint

Nicht allzu oft löst eine erste Einstellung ihr Versprechen dermaßen akkurat ein: Dramatische Synths, große Symbolik, kontemporärer Chic. Würden Bild und Sound sich in Folge auf keine klassische Narration einlassen, am besten noch ohne viel Dialog auskommen, wie wunderbar könnten wir uns spielfilmlang ins technisch versierte Assoziative fügen. Aber Pablo Larraín hat ganz anderes vor.

Es geht Schlag auf Schlag: Die junge chilenische Tänzerin Ema wird von dem Choreografen Gastón nicht schwanger, ein Kind wird adoptiert, doch benimmt sich so schlecht, dass das Paar es „zurückgibt“. Harte Worte zu- und den zwangsläufigen Bruch miteinander später folgt Ema dann klarerweise primär seiner Protagonistin, auf deren sehr bewegter – viele der Bewegungen sind Sex – Reise dahin, ihren eigentlich ja doch geliebten Ziehsohn zurückzubekommen. Es wird gefeiert, es wird getanzt, geflucht, sich einfach so richtig gespürt. Und ja, es werden auch allerlei Dinge mit dem Flammenwerfer im Brand gesetzt. Da zu viele gezogene Register jedoch bekanntermaßen den Brei verderben, stehen sich die offenkundige Absicht, eine starke Frauenfigur verschränkt mit Mindset und Ästhetik der Instagram-Generation zu erzählen und die dazu verwendeten Mittel geradezu fatal im Weg: Entweder sind Charakterentwicklung und Dramaturgie immerzu als ausufernde Allegorie oder raffinierte soziale Konstellation gemeint – in beiden Fällen bleibt die Ausführung jedenfalls eine Ansammlung von Plattitüden. Sind gerade diese Plattitüden das, was aufgezeigt werden soll? Wohl kaum; und wenn, dann hätte man sich besser um eine andere Grundstimmung bemüht als dem regen Treiben stets das schwere Gewicht des Tragischen anzuheften. Hauptdarstellerin Mariana di Giralamo überzeugt so gut wie eben möglich, ihr ist der Film unbedingt als Karriere-Sprungbrett zu gönnen. Doch was hat sich ihr weitaus bekannterer Regisseur dabei gedacht? Oder möchte man das – gerade wenn man seiner Arbeit eigentlich zugetan ist – gar nicht so genau wissen? Bestenfalls stellt der rasante Trip einen unerfolgreichen Versuch dar, ein missglücktes Experiment, schlimmstenfalls indes eine beinahe billige, kollektive (siehe Crew) Männerfantasie, die ihre augenscheinlich im Vordergrund stehende Lust am rauschhaften, sinnlichen Inszenieren – gegen die ja nicht generell etwas einzuwenden wäre – durch ihre persönliche, reichlich selbstgefällige Vorstellung von emanzipierter Weiblichkeit zu übertünchen versucht. Schade, bewies Larraín doch zuletzt mit Jackie (2016), zum präzisen, wohl durchdachten Gegenteil in der Lage zu sein.