Alle Jahre wieder kommt Moses und teilt das Meer.
Über die Geschichte von Moses gibt es nicht viel Neues zu erzählen: hat das hebräische Volk von seinen ägyptischen Sklaventreibern befreit und ins gelobte Heimatland geführt. Brennende Dornbüsche, die zehn Plagen, Moses teilt das Meer, und seit 1956 alle 20 Jahre ein Hollywoodfilm. Auf Cecil B. DeMille und Charlton Heston folgen Ridley Scott und Christian Bale. Ausgerüstet mit einem Lebensvorrat an Bräunungscreme und einer Vision begab sich der britische Regisseur mit seinem Team nach Spanien, um der große Geschichte neues Leben einzuhauchen.
Die Umsetzung beginnt kurz vor dem Tod von Moses‘ Adoptivvater, Pharao Sethos (John Turturro in irritierender Fehlbesetzung). Kurz nach dessen Ableben kommt Moses‘ Abstammung ans Licht, woraufhin auf Anordnung Ramses‘ die Verbannung folgt. Christian Bale taumelt durstig und sonnenverbrannt durch die Wüste, bis er ein Hirtendorf am Fuße des Berges Sinai entdeckt. Dort lernt er eine Frau kennen. Sie heiraten. Neun Jahre vergehen. Sie haben einen Sohn. Moses fällt ein Stein auf den Kopf, daraufhin sieht er Gott. Von der Verbannung bis zur Gotteserscheinung vergehen im Film geschätzte zehn Minuten. Im Zeitraffer wird Moses‘ Wandel vom Prinzen zum Ausgestoßenen und Auserwählten Gottes dargestellt – für Charakterisierungen bleibt keine Zeit. Darunter leidet der restliche Film, dessen dramaturgische Einöde die Hoffnung des Publikums auf emotionale Tiefe und ausgefeilte Spannungsbögen schon bald in Resignation verwandelt. Das dramatische Potenzial der Beziehung zwischen Ramses und Moses wird nicht ausgeschöpft, Ambiguitäten scheinen im Schneideraum verloren gegangen zu sein. Es folgt der Fall in die Bedeutungslosigkeit.
Es ist bezeichnend, dass die wenigen Szenen die es vermögen, das Publikum bei der Stange zu halten, jene sind, in denen sich der Film nicht den Charakteren widmet. Die Schlüsselmomente göttlicher Allmacht – die Plagen und das begehbare Meer – die Ridley Scott gleichzeitig qua naturwissenschaftlicher Erklärungen demystifizieren will und so der Geschichte seinen Stempel aufzudrücken versucht, sind ansehnlich umgesetzt, können den Film aber nicht über den Berg hieven. Denn leider sind die externen Erklärungsversuche teils nicht ganz zu Ende gedacht und stolpern über ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten – wer Anspruch auf Glaubwürdigkeit erhebt, kann eben daran auch scheitern. Exodus: Gods and Kings kann als Neuinterpretation kaum punkten, und die 150 Minuten Spiellänge lassen das erschöpfte Publikum mit einer einzigen drängenden Frage zurück: Warum hat Ridley Scott diesen Film gemacht?
