Factotum

| Jörg Schiffauer |

Momentaufnahmen aus dem Leben eines gesellschaftlichen Außenseiters, basierend auf einem Roman von Charles Bukowski.

 

Berühmte Persönlichkeiten, die zum Gegenstand des öffentlichen, massenmedialen Diskurses werden, laufen oft Gefahr, auf eindimensionale, klischeebeladene Bilder reduziert zu werden, die naturgemäß weder ihrer Persönlichkeit noch ihrer Arbeit auch nur halbwegs gerecht werden. Eine Tendenz, die in einem populärkulturellen Umfeld verstärkt aufzutreten droht, wobei Charles Bukowski als geradezu prototypisches Beispiel gelten könnte. Der wurde ja schon zu Lebzeiten ungeachtet der Qualitäten (wie immer man die auch beurteilen mag) seines literarischen Schaffens in die Schublade des Underground-Poeten mit einem Hang zu Alkohol- und sonstigen Exzessen gesteckt und mit dem weitgehend inhaltsleeren Etikett des dirty old man versehen. Dass der Versuch, eine Künstlerbiografie anhand solch reduzierter Eckdaten filmisch aufzuarbeiten, vorsichtig formuliert, Gefahr läuft, in die Falle plakativer Banalität zu tappen, liegt  dabei auf der Hand.

Mit Factotum hat Bent Hamer nun einen jener stark autobiografisch gefärbten Romane von Charles Bukowski verfilmt, in deren Mittelpunkt die Figur des Henry Chinaski, Bukowskis literarischem Alter Ego, steht. Und bei den Momentaufnahmen aus Henrys bewegtem Leben hat  Hamer dann auch wirklich kein Klischee ausgelassen. Da wären zunächst die ständig wiederkehrenden Besäufnisse, einzige Konstante in Henrys Alltag, nur unterbrochen von langweiligen Gelegenheitsjobs, die er dank seines anarchistischen Verhaltens aber ohnehin regelmäßig wieder verliert.
In den  heruntergekommen Kneipen lernt er natürlich immer wieder schöne, geistreiche, leider durch  Alkohol ein wenig derangierte Frauen kennen, die selbstredend nur darauf warten, Henry anhimmeln zu dürfen. Dazwischen schreibt man als Untergrundpoet natürlich rasch noch ein paar geniale Kurzgeschichten.

An der Fülle an Klischees, die der Film hervorbringt,  fasziniert eigentlich nur, dass Barbet Schroeder mit seiner Bukowski-Adaption Barfly fast genau denselben Subkulturkitsch produzierte, sieht man davon ab, dass Mickey Rourke den körperlichen Verfall des Protagonisten physisch besser repräsentierte, als dies Matt Dillon mit seinem stets gestylten Fünf-Tages-Bart vermag.

Ganz gleich wie sehr Charles Bukowski selbst auch dazu beigetragen haben mag, bestimmte Stereotypen über seine Person zu festigen, das nun durch Factotum verbreitete Bild hat er sich ganz bestimmt nicht verdient.