Father Mother Sister Brother

Filmstart

Father Mother Sister Brother

| Pamela Jahn |
Familie und andere Angelegenheiten

Eine Art Familientreffen: Bruder (Adam Driver) und Schwester (Mayim Bialik) fahren zusammen im Auto. Sie sind auf dem Weg zu ihrem Vater Jeff (Tom Waits), der mittlerweile verwitwet und vermeintlich am Existenzminimum in einem abgelegenen Haus am See wohnt. Wie sich im Gespräch herausstellt, liegt der letzte Besuch der beiden Kinder bereits über zwei Jahre zurück. Aber auch das Verhältnis der Geschwister untereinander wirkt distanziert. Man spricht nicht oft miteinander, soviel ist klar. Noch unbequemer wird die Stimmung beim Tee zu dritt. Immer wieder stockt die Unterhaltung, machen Verlegenheitsfragen die Runde. In der Küche tropft der Wasserhahn. Jeff zeigt sich dankbar für den Besuch, aber weder er noch seine Kinder beabsichtigen, mehr Zeit als nötig gemeinsam verbringen. Zum Glück ist Winter – Schnee und Eis bedingen eine frühe Abreise. 

Diese erste Episode in Jim Jarmuschs Venedig-Gewinner Father Mother Sister Brother ist zugleich die treffendste. Waits, Driver und Bialik ergänzen sich gegenseitig perfekt in dem Versuch, die Unbeholfenheit und unhintergehbare Fremdheit zwischen Eltern zu ihrem erwachsenen Nachwuchs auszuloten. Was auf den ersten Blick wie eine kleine Miniatur wirkt, entfaltet in wenigen Einstellungen und Dialogen sowohl eine hintergründige Komik als auch eine große Zartheit, die in den befangenen Momenten immer wieder zum Vorschein kommt.

Das Ungelenke, auch die Verletzlichkeit zwischen den Figuren, all das überträgt sich scheinbar nahtlos auf die Teestunde, die Timothea (Cate Blanchett) und Lilith (Vicky Krieps) zum alljährlichen Wiedersehen mit ihrer Mutter (Charlotte Rampling) im zweiten Teil des Triptychons bevorsteht. Nur wirkt das Setting weniger natürlich, weniger aus dem Leben gegriffen. Dafür treten die spitzfindigen Bemerkungen und kleinen Seitenhiebe der Mama bei Sahnetörtchen und Earl Grey noch ein bisschen schmerzlicher in den Vordergrund. Denn die Töchter der erfolgreichen irischen Romanautorin können machen, was sie wollen. Der Standard ihrer Mutter ist nie weniger als schlicht das Vollkommene. Dagegen kommen sie mit ein bisschen Punk (Lilith) und Verstocktheit (Timothea) nicht an.

Nähe und Abgrenzung, Liebe und Enttäuschung, Realität und Erinnerung sind die Spannungsfelder, in denen sich Jarmusch in Father Mother Sister Brother bewegt. In der letzten Episode beobachtet er ein Zwillingspaar in Paris, das zusammenkommt, um die Wohnung ihrer verstorbenen Eltern auszuräumen. Plötzlich werden die Farben wieder weicher, die Worte sanfter, die Gefühle deutlicher. Am Ende scheint es, ist Familie das, was man daraus macht. Und was bleibt.