Mutige Frauen, ermutigende Beispiele – wider die Repression!
Wie ist es bestellt um die Lage der Frau, heute, in einer globalisierten, turbobeschleunigten und aufgeklärten Welt, die sich viel zugute hält auf Fortschritt und Freiheit? #Female Pleasure von Barbara Miller ist eine Bestandsaufnahme. Eine, die sich zum Glück einen unverbrüchlichen Optimismus und Vertrauen in die Zukunft zum Grundton gewählt hat, weil Verzweifeln über den Status quo nicht weiterhilft. Miller verflicht die Porträts von fünf Frauen aus fünf Kulturen ineinander und schafft auf diese Weise ein Panorama der mannigfaltigen Problem-lagen, in die eine Frau gegenwärtig in den unterschiedlichsten Regionen der Erde geraten kann. Die wenigsten davon sind harmlos.
Die Inderin Vithika Yadav betreibt die Sexualaufklärungsplattform „Love Matters“, auf der offen über die Beziehungen zwischen Mann und Frau gesprochen wird, und zieht graswurzel-aktionistisch mit einer Gruppe Gleichgesinnter gegen das horrible Machtgefälle im indischen Geschlechterverhältnis zu Felde. Die US-Amerikanerin Deborah Feldman hat ihre ultraorthodoxe jüdische Heimatgemeinde im New Yorker Viertel Williamsburg verlassen und zu deren Entsetzen ein Buch geschrieben, in dem sie die strenge Reglementierung, der die Frauen dort unterworfen werden, offenlegt; danach ist sie nach Berlin ausgewandert. Die japanische Aktionskünstlerin Rokudenashiko wird wegen ihrer Vagina-Performances vor Gericht gestellt und der „Obszönität“ angeklagt; während zugleich zeremonielle Umzüge stattfinden, bei denen unter großem Gaudium Riesenphalli durch die Strassen getragen werden, um den Gott der Fruchtbarkeit zu ehren. Die Deutsche Doris Wagner wird in einem erzkatholischen Ordenskloster in Rom wiederholt von einem Priester missbraucht. Sie macht ihre Erfahrungen öffentlich und stellt die provokant nur auf den ersten Blick erscheinende Frage, ob es sich bei der katholischen Kirche möglicherweise um eine Tarnorganisation von Pädophilen und Vergewaltigern handelt. Leyla Hussein, Britin mit somalischen Wurzeln, Muslima und Betroffene, kämpft gegen Genitalverstümmelung – und nicht nur ihr verschlägt es in diesem Kampf immer wieder die Sprache.
Wie zufällig stolpert Miller im Zuge ihrer Ermittlungen regelmäßig über den kulturhistorisch bedeutenden Zusammenhang zwischen weiblichem Begehren und religiöser Sanktionierung – vertieft ihn jedoch nicht. Das ist schade, aber auch nachvollziehbar. Denn #Female Pleasure ist kein analytischer Essayfilm, sondern ein Pamphlet, das zeigt, dass „auf den Barrikaden“ ein hervorragender Ort ist.
