Feminism WTF

Filmstart

Feminism WTF

| Susanne Jäger |
Schlagwortreiche Dokumentation über akademischen Feminismus im 21. Jahrhundert

Eine leere Halle. Da stehen Menschen und zeigen räumlich, wobei sie sich diskriminiert und zurückgesetzt fühlen, indem sie wortlos im Raum ihre Diskriminierungserfahrungen darstellen. Sie befinden sich aber nicht in einer Tanzperformance, sondern in einem Dokumentarfilm über den Feminismus im 21. Jahrhundert.

In Feminism WTF von Katharina Mückstein sprechen deutschsprachige, akademisch tätige Feminist*innen über akademisch tätigen Feminismus von heute. Sie sitzen in poppigem Dekor in einer zeit- und kontextlosen Bürohalle, gekleidet in Neon- und Pastellfarben und reden über einen Feminismus, der komplex und widersprüchlich sei. Zwischen den Interviews gibt es dröhnende elektronische Musik, was den ästhetisch ansprechenden Effekt eines Werbevideos hat und manchmal küssen sich dazu Männer, manchmal tanzen Menschen in Plastikkostümen ausdrucksvoll durch Stiegenhäuser und manchmal schauen Leute wortlos in einen Spiegel und sagen: „Ich sehe einen Menschen.“

„Machen wir das Problem konkret, es geht um die erwartende Wahrnehmung“, sagt eine der Interviewten und es ist ironisch, dass dabei weder genau ersichtlich wird, was das „Problem“, das „Konkrete“, die „Erwartung“, oder die „Wahrnehmung“ ist, geschweige denn, was das mit der Welt zu tun hat. Der Feminismus, von dem hier gesprochen wird, bleibt vage und ohne nachvollziehbare politische Forderungen, er hat etwas mit Diskriminierung, Rassismus, Kapitalismus, Kolonialismus, Gewalt an Frauen, Repräsentation und Körpern zu tun. Ein wenig geht es auch um soziale Geschlechterklischees, um gesellschaftliche und individuelle Erfahrungshorizonte und ein bisschen hat der besprochene Feminismus auch etwas mit Biologie zu tun. Einmal erklärt eine Biologin, dass es nicht zwei Geschlechter gibt, wie bisher angenommen, sondern dass Chromosomen eine komplexe Angelegenheit sind, wobei sich verschiedene Elemente in einem komplexen System zu einem komplexen Gefüge zusammentun und man das alles nicht so einfach sagen kann. Danach ist trotzdem unklar, was man denn sagen kann, was es gibt oder worum es hier eigentlich geht. Der Film geht jedenfalls weiter, nämlich mit einer Aneinanderreihung an Schlagwörtern und diffusen Konzepten (Stichwörter Kontext, Kategorie, Betrachtung, Poststrukturalismus), aber ohne Argumente, ohne Geschichte, scheinbar ein wenig planlos, einfach als künstliches Reflektieren vor einer künstlichen Kulisse, in der man pädagogisch auftritt, ohne etwas zu erklären – mit Blick auf eine feministische Zukunft, die niemand wirklich beschreiben und benennen kann.