Ein großherziger Gauner, ein naiver Faustkämpfer und eine nette Kellnerin auf der Suche nach dem Glück.
Sean MacArthur ist kein Schlägertyp. Eher im Gegenteil – er steht auf, wenn eine Frau das Zimmer betritt, und er fragt alte Ladies nach ihrem Befinden. Aber wenn’s drauf ankommt und ihm einer ans Leder will, dann weiß Sean mit seinen Fäusten umzugehen und dann haben seine Gegner nichts zu lachen. Das beobachtet eines Tages auch der halbseidene Glücksritter Harvey Boarden und er wittert ein Geschäft. Harvey nimmt Sean unter seine Fittiche – unter denen aus unerfindlichen Gründen bereits drei weitere junge Misfits kauern – und führt ihn in die Schatten-Welt der illegalen Faustkämpfe ein. Mit bloßen Händen geht man in Hinterzimmern aufeinander los, die Queensberry-Regeln bleiben draußen vor der Tür. Reiche und Kriminelle amüsieren sich, große Mengen Geldes wechseln bei Wetten die Besitzer. Man kann in der Welt des Blutsports reich, man kann aber auch totgeschlagen werden. Sean jedoch lernt zunächst einmal ein hübsches Mädchen kennen, und dann holt ihn seine Vergangenheit ein.
Fighting von Dito Montiel ist keine Variante von Fight Club, keine Reflexion über das männliche Selbstbild in der Krise, sondern ein Ausflug in subkulturelle Milieus, der sich durch Beobachtungsgabe, Liebe zum Detail und ein gutes Gespür für alltägliches Leben und Reden in den Nebenstraßen und Randgebieten von New York auszeichnet. Montiels Film ist voll eigenwilliger und sorgfältig charakterisierter Figuren, voll überraschend komplexer Stimmungen und ungewohnt authentischer Situationen. Er ist mal sanft humorvoll und zärtlich romantisch, mal gnadenlos gemein und blutig brutal. Er ist, kurz gesagt, eine echte Rarität unter den, nach dem ewig gleichen Muster ablaufenden, Underdog-erkämpft-sich-Platz-an-der-Sonne-Geschichten.
Wen kümmert es, dass Channing Tatum in der Rolle Seans schauspielerisch etwas zu wünschen übrig lässt? Dafür agiert er umso überzeugender in den Kampfsequenzen, die sich wohltuend von den zur Regel gewordenen, hässlich unübersichtlichen Schnitt-Gemetzeln abheben. Und ohnehin strahlt im Herzen dieses Films Terrence Howards wahrhaft inspirierte Darstellung des Harvey Boarden als eines tapfer gegen alle Widrigkeiten an seiner Würde, an seiner Menschlichkeit und an seinem Aktenkoffer festhaltenden kleinen Mannes, der einstmals große Träume hegte. Eigentlich wäre ihm und den anderen Verlierern, denen die Metropole die provinziellen Hoffnungen zerstörte, der Ritt in den Sonnenuntergang durchaus zu gönnen.
