Filmkritik

Destroyer

| Pamela Jahn |
Zerstört und verstörend zugleich: Nicole Kidman versucht sich als Bad Cop

Dass Nicole Kidman eine erstklassige Schauspielerin ist, bezweifelt schon lange niemand mehr. Als Erin Bell, Kriminalbeamtin des LAPD in Karyn Kusamas widerspenstigem Neo-Noir-Thriller beweist sie nun jedoch erneut, dass sie auch noch ganz anders kann. Als traumatisierte, eingefallene, innerlich wie äußerlich kaputte Frau, die mindestens genauso durch ist wie die Kriminellen, die sie jagt, versucht sie sich an einer Figur, die zu anderen Zeiten ausschließlich einem für derartige Rollen prädestinierten männlichen Kollegen vorbehalten geblieben wäre. Knallhart, korrupt und stets mit so unschönen wie illegitimen Methoden hantierend, zählt ihre zerknirschte Polizistin mit Abstand zu einer der Gröbsten im Geschäft. Doch auch in Sachen innere Getriebenheit und Selbstzermarterung spielt Detective Bell in der ersten Liga. Unermüdlich kämpft sie im Hier und Jetzt mit sich und einer persönlichen Vergangenheit, die sich nicht mehr rückgängig machen lässt und an der sie mit jedem Atemzug ein Stück mehr zu zerbrechen droht.

Am Anfang steht wie so oft ein Mordfall, der in Los Angeles längst keinen Ordnungshüter mehr mit der Wimper zucken lässt. Doch Bell ist lange genug dabei, um sofort zu erkennen, dass die Indizien am Tatort sie auf eine Spur zurück in ihre Zeit als Undercover-Agentin beim FBI führen, als ihr Auftrag darin bestand, einen brutalen Bandenchef namens Silas (Toby Kebbell) dingfest zu machen. 17 Jahre sind seitdem vergangen und kein Tag, an dem sie nicht daran gedacht hätte, wie schief damals alles gelaufen ist.

Spannend an Kidmans düsterer Selbstzerfleischungsarie ist weniger ihre äußere Transformation, die auf den ersten Blick verstörend, dann aber zunehmend nur noch irritierend auf den Zuschauer wirkt, als die innere Wut und Widersprüchlichkeit, mit der sie ihrer Figur entgegenzutreten scheint. Nie hat man auch nur annähernd das Gefühl, dass die Schauspielerin ihrer Rolle gegenüber gnädig gestimmt ist, geschweige denn, dass sie ihr eine Pause gönnen würde von dem Höllentrip auf dem sich Bell zweifelsohne befindet. Die Girlfight-Regisseurin Karyn Kusama und ihre Kamerafrau Julie Kirkwood versetzen Raum und Zeit entsprechend in eine bisweilen postapokalyptisch entstellte Atmosphäre, doch genügt das nicht ganz, um über die streckenweise groben erzählerischen Schwächen und Versäumnisse der Handlung hinwegzutäuschen. Vor allem die weniger vigorös und energisch umgesetzten Rückblenden lassen einiges zu wünschen übrig, wie auch so manche verschenkte Nebenrolle, die dazu beitragen hätte können, Kidmans getriebener, emotional ausgelaugter Protagonistin zusätzlich Nachdruck und Gewicht zu verleihen.