Kein Urlaub auf dem Bauernhof – vom Verhältnis zwischen Arbeit, Entfremdung und Glück.
Gleich zu Beginn, da ist das Bild noch schwarz, sagt Gottfried Neuwirth, der gemeinsam mit seiner Frau Elfriede einen kleinen Hof im Waldviertel bewirtschaftet, ein paar provisorische Sätze zu seinem Selbstverständnis als Hirte im Unterschied zu einem Dasein als Bauer – die er aber sogleich wieder relativiert. Letztlich – darauf läuft es in etwa hinaus – sei man sich doch darin einig, das Land zu behüten, nicht, es auszubeuten.
Mit solcherart definierter Haltung stehen Hirten und Bauern im scharfen Kontrast zu Agrarindustrie und Massentierhaltung. Wobei der vollautomatisierten Nahrungsmittelherstellung eben genau nicht quasi zwangsläufig die Harmonie zwischen Mensch und Tier im Naturidyll gegenüber tritt; Letzteres die naive Projektion des Stadtvolks, das sich unter „Öko“ halt am liebsten gleich die bereits gerettete Welt vorstellt. Die Welt zu retten, macht aber richtig viel Arbeit, und das zeigt Othmar Schmiderer in seiner Langzeitbeobachtung Die Tage wie das Jahr ganz gelassen und mit einem schönen Gespür für die entscheidenden Bilder und deren Abfolge.
Was es in diesem Film nicht gibt: Interviews, Kommentare, verbale Selbstdarstellungen, Erklärungen dessen, was passiert. Hin und wieder fängt Schmiderer Alltagsgesprächsfetzen ein: ob wohl das Korn trotz der Trockenheit noch etwas werde; dass allerorten alle über die Hitze klagen; wann man morgen früh aufstehen müsse. Davon abgesehen, Bilder von Arbeit: Melken, Umgraben, Milch verarbeiten, Beet anlegen, Holz machen, Honig schleudern, Käsepflege, Ausliefern, Viecher füttern, Schafe scheren, Hufe schneiden, zum Markt fahren und so weiter und so fort und immer wieder von Neuem.
Einmal unterbricht ein ausgebüchster Bienenschwarm die Routine und Imker Neuwirth muss ihn vom Baum schütteln, was sich nicht wenig dramatisch ausnimmt. Ein anderes Mal ereilt das Schlachterschicksal drei Schafe und eine Ziege, deren Mienen, als sie sich plötzlich von der Herde isoliert in unvertrauter Umgebung wieder finden, deutlich zeigen, dass sich da orientiertes Bewusstsein unvorhergesehen aus der Bahn geworfen sieht – was einen en passant daran erinnert, dass ein Tier mehr ist als Fleisch.
Und dieses immaterielle Mehr macht Schmiderer mit seinem wortlosen Zeige-Ansatz in dem respektvollen Umgang sichtbar, der überall auf dem kleinen Hof der Neuwirths herrscht. Und er macht es sichtbar auch als jenen Lohn, der sich in Geld nicht messen lässt, weil der Mensch ihn für nicht-entfremdete Arbeit erhält.
