ramen shop

Filmkritik

Ramen Shop / Ramen Teh

| Günter Pscheider |
Ruhiges Drama über das Kochen als Mittel zur Versöhnung zwischen Völkern und Generationen

Hungrig sollte man sich als Freund der asiatischen Küche das neue Werk von Eric Khoo keinesfalls anschauen, da werden die 90 Minuten auf Grund der hohen Frequenz an aufgetischten Köstlichkeiten wohl zur Qual. Es gibt ja einige Filme, in denen die Kochkunst eine gewichtige Rolle spielt (Eat Drink Man Woman oder Bella Martha), Ramen Shop lief auch in der Sektion „Kulinarisches Kino“ im Rahmen der Berlinale. Das Thema berührt offensichtlich viele Menschen, wie man anhand der unzähligen Kochsendungen und Blogs feststellen kann.

In Ramen Shop wird Essen als Bindeglied zwischen den Generationen und den Völkern etabliert: Der begabte junge Ramenkoch Masato begibt sich nach dem Tod seines verbitterten Vaters auf Spurensuche nach Singapur, wo er als Sohn eines Japaners und einer Chinesin aufgewachsen ist. Eine Foodbloggerin und sein Onkel weihen ihn in die Geheimnisse der indisch-chinesisch-japanisch inspirierten Singapurgerichte ein. Dabei wird er mit den Folgen der grausamen Militärbesatzung durch Japan konfrontiert, die dazu führte, dass seine Großmutter ihre Tochter verstieß, weil sie viele Jahre nach dem Krieg einen Japaner heiratete. Als Masato noch ein Junge war, starb seine Mutter, ohne sich mit seiner Großmutter zu versöhnen. Auch jetzt noch will die rüstige Dame, die kein japanisch oder englisch spricht, anfangs nichts von ihrem Enkel wissen, doch mithilfe eines selbst kreierten Rezepts – einer Mischung aus Ramen und einem traditionellen chinesischen Suppengericht – kommt er seiner Großmutter nonverbal näher.

Mit melancholischer Klaviermusik unterlegt, unternimmt Eric Khoo einen Streifzug durch die Sehenswürdigkeiten seiner Heimatstadt Singapur, vor allem der Foodstalls, Restaurants und Bars, dabei bleibt die Figurenzeichnung etwas auf der Strecke. Man hätte gern mehr über die Hauptcharaktere – die alle von durchaus charismatischen Darstellern verkörpert werden – erfahren, als dass sie allesamt meisterhafte Köche sind. In keinem Film kommt öfter das Wort „lecker“ vor als hier und wenn man den Leuten beim Kochen zuschaut, dabei in die Geheimnisse der Zubereitung einer chinesischen Rippchensuppe (u.a. sehr lange Garzeit) eingeweiht wird und das dampfende Ergebnis auf der Leinwand sieht, kann man schon verstehen, dass die Protagonisten dauernd von den Kreationen ihrer Mitköche schwärmen. Eine etwas straffere Dramaturgie wäre noch die letzte fehlende Zugabe für einen sympathischen Film über Essen als Kommunikationsmittel gewesen.