Konventioneller Dokumentarfilm über die Faszination des Skifliegens
Ein wenig auf die Erfolgsspuren des von Red Bull Mediahouse produzierten Streif – One Hell of a Ride begibt sich Ernst Kaufmann mit seiner Dokumentation The Big Jump. Ein wichtiger Unterschied dabei ist aber, dass viele potenzielle Zuschauer selber Ski fahren, während der Akt des Springens über eine Skiflugschanze nur von sehr wenigen Auserwählten praktiziert wird. Ein Normalsterblicher würde durch die hohe Geschwindigkeit und den Druck höchstwahrscheinlich schon im Anlauf stürzen, wie gleich zu Beginn lapidar angemerkt wird. Es ist schwierig, einen Film zu machen über etwas, das die Protagonisten selber nicht wirklich anders beschreiben können als die Faszination des Fliegens.
Die auf der großen Leinwand in 3D beeindruckenden Aufnahmen der tollkühnen Skiflieger, die aus allen möglichen Perspektiven in Zeitlupe und Realgeschwindigkeit gezeigt werden, vermögen den Zuschauer nicht länger als zehn Minuten zu fesseln. Den Rest der Zeit erklären die Protagonisten und Trainer – vom ORF-Journalisten Hanno Settele mal mehr mal weniger kompetent befragt –, was ihren Beruf im Wesentlichen ausmacht. Dazu sind auch Angehörige, Medienvertreter und Serviceleute im Bild, die Biografisches oder technisches Hintergrundwissen beisteuern.
Der Großteil der durchaus interessanten Hintergrundberichterstattung spielt sich im Rahmen der Skiflug-WM 2018 in Oberstdorf ab, man sieht die Sportler aber auch auf einem Golfplatz (warum auch immer) oder in Hotels. Die norwegischen Helden der Lüfte wie der spätere Sieger besagter WM, Daniel-Andre Tande, oder Mr. Schnurrbart Robert Johansson wirken irgendwie cooler als die Deutschen (Richard Freitag, Andreas Wellinger) oder Österreicher (u.a. Stefan Kraft, Michael Hayböck). Vom Urgestein Noriaki Kasai hätte man gerne mehr gesehen. Spektakuläre Stürze sind auch im Bild, aber diese Art von Schaulust wird zum Glück nur sehr kurz bedient.
Als einzige kritische Stimme wird die Trainerlegende Baldur Preiml präsentiert, der mit der rasanten Entwicklung dieses Sports Richtung Vermarktung nichts anfangen kann, als schönen Beweis sieht man immer wieder die mit Sponsorennamen übersäten Anzüge der Skispringer. Für Skisprungfans, von denen es in den Alpenländern doch einige gibt, ist dieser Dokumentarfilm durch die spektakulären Aufnahmen gerade auf der großen Leinwand sehenswert, Leute, die mit dieser Sportart bisher wenig anfangen konnten, werden allerdings kaum den Weg ins Kino finden.
