Filmkritik

Final Portrait

| Pamela Jahn |
Was lange währt...

Eigentlich sollte es ganz schnell gehen: Ein paar Stunden, einen Tag höchstens, sollte es dauern, das Modellsitzen, zu dem sich der amerikanische Autor und Giacometti-Verehrer James Lord vom Meister selbst hat hinreißen lassen. Das Jahr ist 1964, die Stadt Paris, und der Film, den Stanley Tucci aus dieser schmalen Prämisse strickt, beschreibt, was Alberto Giacometti zum Verhängnis und gleichzeitig ein bedeutender Teil seines großen Vermächtnisses werden sollte: das letzte Porträt.

Insgesamt 18 Sitzungen brauchte es letztendlich für die Fertigstellung des Gemäldes, die allesamt in Giacomettis Hinterhausatelier in der Rue Hippolyte-Maindron stattfanden, die erste am 12. September, die letzte am 1. Oktober 1964. Durchbrochen wurden sie immer wieder von spontanen Exkursionen, etlichen Restaurantbesuchen sowie den wuterfüllten Arbeitsblockaden, die den Künstler immer wieder überkamen. Seine Erinnerungen an diese privilegierte, mitunter prüfende Periode mit dem großen Plastiker, der sich selbst eher als Maler sah, hat Lord in einem Buch festgehalten, das Tucci für sein Regiedebüt als Anregung und zur Orientierung diente. Entstanden ist daraus ein amüsantes und elegantes Kammerspiel, das mitunter dem eigenen Erscheinungsbild Tuccis vor der Kamera entspricht: leichtfüßig, mit Elan und Ironie, und doch stets voller Würde.

Die Faszination entwickelt jedoch beinahe so langsam und unmerklich wie das besagte Porträt selbst, was zum einen am pointierten Drehbuch, vor allem aber an der wohlbemessenen Dynamik zwischen den Hauptdarstellern Geoffrey Rush (nahezu perfekt als Ebenbild von Giacometti) und Armie Hammer liegt, die aus den wenigen Treffen zwischen Künstler und Modell eine Beziehung formen, vor der stets beide profitieren, und die so regelmäßig und bestimmt wie ein Metronom zwischen Freundschaft und Duell oszilliert, ohne jemals in die eine oder andere Richtung zu eskalieren. Denn was Rush als der mürrisch-kauzige Altmeister vor dem Herrn an Witz, Zynismus und Verachtung versprüht, weiß Hammer mühelos mit Charme, Ausdauer und Bewunderung zu kontern, selbst als Giacometti ihm jeden Tag auf Neue seine Zweifel daran bekundete, ob Kunst überhaupt jemals beendet werden könne.

Tucci spielt mit dieser ewigen Dichotomie in den Dialogen (Giacometti: “A real friend would tell me to give up“, Lord: “Who says I’m a real friend?”) wie in den Bildern: den langsamen Kamerafahrten durch das Atelier, den Close-ups sowie den subjektiven Perspektiven, die in jeder Einstellung miteinander konkurrieren. Nach pünktlich 90 Minuten sind ihm damit auf einen Schlag sogar die Porträts zweier Männer gelungen – kurz und gut.