Immer wieder schön ist es im Reich der Kuschelfische.
Der gesuchte Titelheld ist der einzige Sohn des allein erziehenden Clownfischs Marlin. Weil eine von Nemos Flossen zu klein geraten ist, macht der Vater um seinen Sprössling ein etwas überfürsorgliches Gewese. An seinem ersten Schultag will Nemo deswegen besonders mutig und selbstständig sein – und landet zunächst im Netz eines Tauchers und dann im Aquarium eines Zahnarztes. Während sich der entgeisterte Marlin mit der vergesslichen Palettendoktorfischdame Dorie zusammen- tut, um seinen verlorenen Sohn zu suchen, schmiedet Nemo mit seinen Aquariumsmitgefangenen Ausbruchspläne. Mannigfaltige Abenteuer folgen, bis sich Vater und Sohn wieder in die Flossen fallen können.
Fische als Handlungs- und Sympathieträger und Wasser als Ort des Geschehens – selbst für einen traditionellen Zeichentrickfilm ist die Herstellung einer solchen Illusion keine leichte Aufgabe. Um wieviel schwieriger mag sie da für die Computeranimation sein, eine Technik, die erst dann erfolgreich angewandt ist, wenn ihr Einsatz weder sicht- noch spürbar wird. Aber „schwierig“ ist ein Wort, das im Pixar-Animationsfilmstudio traditionell als „Herausforderung“ oder „höchst spannendes Problem“ buchstabiert wird und dem man sich vor zehn Jahren mit unverbrüchlich optimistischem Elan stellte. Regisseure, Drehbuchautoren, Zeichner und Animatoren gingen tauchen, besuchten Aquarien, studierten Fische in Theorie und Praxis, erstellten Bewegungsstudien und grübelten darüber nach, wie wohl der eigene Kopf mit applizierter Schwanzflosse aussehen würde, denn schließlich braucht jeder Fisch ein Gesicht. Danach erschufen sie eine phantastisch detailreiche Unterwasserwelt, bevölkerten sie mit sorgfältig charakterisierten Meeresbewohnern und erzählten eine von universell gültigen Gefühlen ausgehende Geschichte, die sich zu Lande, zu Wasser oder in der Luft zutragen könnte.
Weil sich nun aber im Zuge des 3D-Wahns ganz neue Möglichkeiten des Doppelt-und-dreifach-Abzockens aufgetan haben und Finding Nemo zu den lukrativsten Filmen des mittlerweile mit dem Disney-Konzern fusionierten Studios gehört, wurde das charmante Werk einer digitalen Überarbeitung unterzogen. Das Ergebnis ist vergleichsweise unspektakulär. Die nachträglich hinzugefügte dritte Dimension bringt kaum visuellen Mehrwert, dafür wird einem umso klarer, welchen Fortschritt die Computer-Hard- und Software in der vergangenen Dekade vollzogen hat. An der Kraft der Geschichte ändert das freilich nichts.
