Schwerfällige Studie einer zerrissenen Familie

Die Kamera streift über ein Dickicht aus Kränen, Containern und Beton, die am Ufer eines Flusses übereinander geschachtelt sind. Ein Nebel der Trostlosigkeit und Einsamkeit hat sich über die daneben lieblos hingestellten Wohnsilos gelegt. Das Schwarzweiß der Bilder in Johannes Hammels Spielfilmdebüt ist kalkulierter Multiplikator: Es verstärkt die Leblosigkeit der Protagonisten, die in einer Wohnsiedlung am Hafen – außerhalb einer (ungenannten) Stadt – dahinsiechen. Ein psychischer Verfall hat die Familie Blumenthal (der Name als hämische Kontradiktion) erfasst und läutet letztlich auch den körperlichen Untergang – insbesondere der Mutter – ein. Geradezu zwanghaft ist Frau Blumenthal bemüht, die Beziehung zu ihrem Mann, der seine Verzweiflung nur noch am Christbaum abreagieren kann, ins Lot zu bringen. Doch sie erntet Unverständnis. Da ist die einsame, verwundete Seele, dort die außerhalb der Realität, in einer sorgenfreien Traumwelt lebende Frau und Mutter. Als sichtbare Verkörperung dieser Diametralität schlüpfen gleich zwei Darstellerinnen (Daniela Holtz und Charlotte Ulrich) in den Körper dieser komplexen Figur.

Hammel, der mit seinen Kurzfilmen (u.a. Die Badenden, Die Liebenden) zu den Fixgrößen der österreichischen Avantgarde gehört, geht es um die Brüchigkeit der heilen (Familien-)Welt, die für die Außenwelt vorgegaukelt wird. Zur Visualisierung dieser Illusion bricht der Filmemacher die Trennlinien zwischen Traum und Wirklichkeit auf: Hammels Kunstgriff, den Ort des Fegefeuers durch verwackelte Romantizismen aus Super-8-Relikten seiner eigenen Kindheit zu konterkarieren, ist erhellend und irritierend zugleich. Und undurchschaubar – wie so vieles in diesem Film.

Folge mir bewegt sich in einem Raum der Zeitlosigkeit, in dem zwar Sprache und Mode der Gegenwart vorherrschen, aber die gesellschaftlichen Verhältnisse den Siebziger Jahren entsprungen sind: So weisen die Szenen mit dem sadistischen Religionslehrer des jüngeren Sohn Pius (Simon Jung) auf überkommene patriarchalische Verhältnisse hin. Ein anderer Handlungsfaden setzt sich mit der schweren Krankheit des älteren Bruders und deren Konsequenzen auseinander. Ein dramaturgisches Konzept ist hier wie dort nicht erkennbar. Zu brüchig wirkt die Erzählung, und das orientierungslose Schwanken zwischen narrativen und surrealen Elementen ist ein Zeichen von Unentschlossenheit des Regisseurs. Lediglich die sorgsam komponierten Einstellungen der deprimierend-urbanen Architektur vermögen zu fesseln.