Fremd Fischen / Something Borrowed

Filmkritik

Fremd Fischen / Something Borrowed

| Alexandra Seitz |

Für Studienzwecke geeignetes Prachtexemplar einer gescheiterten romantischen Komödie

Um einen ganz besonders verabscheuungswürdigen Fall von Zeit- und Gelddiebstahl handelt es sich bei Fremd Fischen / Something Borrowed von Luke Greenfield nach dem gleichnamigen Roman von Emily Giffin.

Schon die Idee macht Gähnen: In wenigen Wochen wird die quirlige, egozentrische Darcy (Kate Hudson) den reichen, gut aussehenden Dex (Colin Egglesfield) heiraten, in den ihre beste Freundin, die nette Rachel (Ginnifer Goodwin), die die beiden seinerzeit miteinander bekannt gemacht hat, seit Studientagen verliebt ist. Es kommt, wie es eben so kommt, Dex und Rachel landen miteinander im Bett und am anderen Morgen ist guter Rat teuer. Vor allem, als sich herausstellt, dass auch Dex’  Gefühle für Rachel über rein freundschaftliche hinausgehen.

Was für ein Glück, dass noch nicht geheiratet worden ist, denkt man, da lässt sich die Chose ja gerade noch rechtzeitig ohne allzu großen Schaden für alle Beteiligten bereinigen. Wenn man es denn bei diesen Filmfiguren mit erwachsenen, einigermaßen reflektierten Menschen zu tun hätte! Weil man es aber mit einem im Reagenzglas gezüchteten Produkt namens Romantische Komödie zu tun hat, weil Dex ein ganz fürchterlicher Schwachmat ist, der seine Eltern nicht enttäuschen will (!) – und sich, nebenbei bemerkt, vor Darcy fürchtet –, und weil Rachel zur Aufrichtigkeit ein, gelinde gesagt, gespaltenes Verhältnis hat, wird herumgedruckst und herumgewurschtelt und heimlichgetan und nichts besprochen und nichts geklärt. Stattdessen wird künstliche Verwicklung auf bemühte Verwirrung gehäuft. So lange, bis man es in seinem Kinosessel schier nicht mehr aushält und den ganzen Haufen ständig zu laut lachender und ansonsten doof aus der Wäsche kuckender Plastic People zum Teufel schicken will. Nicht, ohne ihnen zuvor noch ein paar schallende Ohrfeigen verpasst zu haben.

Sollte ein ungünstiges Schicksal Sie in diesen Film verschlagen, könnten Sie die überlange Laufzeit einigermaßen gewinnbringend mit zivilisationskritischen oder ethnografischen Überlegungen zubringen. Und zum Beispiel über die Frage nachdenken, welche Art von Gesellschaft dieser Film repräsentiert und von welcher Wirklichkeit er erzählt? Mit welchem Ziel werden Ihnen diese oberflächlichen, strunzdummen Figuren, die nicht erwachsen an ihren erwachsenen Beziehungsproblemen arbeiten dürfen, als Identifikationsangebote vorgesetzt? Nimmt man das, was in Fremd Fischen / Something Borrowed geschieht, als Reflex eines tatsächlich existenten sozialen Miteinanders, dann steht es um die Welt weitaus schlechter als befürchtet.