Freunde fürs Leben / Truman

| Günter Pscheider |

Melancholisches Drama über eine Freundschaft im Angesicht des Todes

Gleich nach den ersten kurzen Szenen setzt ein sehr schönes Gitarrenthema ein, das den Ton des Films vorgibt, eine Art wohltemperierter Melancholie, die weder ins Sentimentale noch ins Tragische kippt, auch wenn die Lage für die Hauptfiguren aussichtslos ist. Der Schauspieler Julián hat Lungenkrebs im Endstadium, er will keine erneute sinnlose Chemotherapie mehr durchleiden und freut sich lieber auf vier Tage, die er mit seinem alten Freund Tomás in Madrid verbringen wird, den er schon lange nicht mehr gesehen hat, weil der nach Kanada ausgewandert ist. Diese Freundschaft, die die erste Hälfte des Films trägt, wird sehr kunstvoll einzig durch Gesten und Blicke etabliert. Schon die ähnlichen Bärte der beiden Männer zeugen von der Vertrautheit dieser sehr unterschiedlichen Typen. Viele Autoren versuchen durch Rückblicke die Verbindung zu visualisieren oder lassen ihre Helden zumindest von den guten alten Zeiten schwärmen, während Cesc Gay sich ganz auf das körperliche Spiel seiner ausgezeichneten Hauptdarsteller Ricardo Darin und Javier Camara verlässt.

So spürt der Zuschauer sehr schnell, wie wichtig die beiden füreinander waren und noch immer sind, und es muss handlungsmäßig gar nicht allzu viel passieren, um mit Julián, aber auch Tomas richtig mitzuleiden. Fast undramatisch und beiläufig wird die Geschichte des Abschiednehmens – nicht nur vom Freund, sondern auch von der Familie, Kollegen und Bekannten und nicht zuletzt von seinem Hund Truman (so auch der Originaltitel) – erzählt, und doch gehen einem die enorm gut beobachteten Szenen vom Nicht-Wissen, wie man mit dem nahen Tod umgehen soll, sehr nahe. Der Regisseur zeigt eindrucksvoll, dass selbst Sterben noch Alltag ist, dass man auch mit Szenen über die Schwierigkeit, einen Platz für seinen Hund zu finden, eine Handlung vorantreiben kann, dass man in Filmen über den nahen Tod nicht immer noch ein letztes Mal so richtig die Sau rauslassen muss.

Mögen manche Wendungen in der zweiten Hälfte des Films etwas zu konstruiert wirken, wie die wenig originelle Gegen-überstellung von Sex und Tod, überzeugt der Film doch durch eine stimmige Mischung aus leisem Humor und ernster Auseinandersetzung mit dem Thema, wie man richtig sterben soll, wie schwierig die Kommunikation selbst mit den vertrautesten Menschen in solchen Ausnahmesituationen ist. Und wie Julián, Tomas und Truman damit umgehen, hat bei aller Trauer auch für Atheisten etwas Tröstliches an sich.

bannerKinoprogramm