Erwin Steinhauer und Rupert Henning können ihr erfolgreiches Bühnenstück nicht ewig im Rabenhof spielen, also wurde aus Freundschaft ein Kinofilm gemacht.
Der Plot, wenn man ihn bei einem verfilmten Zwei-Personen-Kammerspiel als solchen bezeichnen kann, ist rasch erzählt: Nach dem Tod des legendären Gewerkschafters und roten Urgesteins Peppi Schober machen dessen Hinterbliebene, ein gesinnungsfester Vater und sein ideologiefreier Sohn, endlich reinen Tisch und rechnen ab mit fünfzig Jahren Politik-, Zeit- und Familiengeschichte, mit Ideologien, Illusionen – und vor allem miteinander.
Die Internationale ist erstes akustisches Signal: Hier geht`s um politische Gesinnung und alte Sozis – mit Betonung auf alt. Mit einer Hymne auf die Sozialdemokratie hat das nichts zu tun. Dieser Trauermarsch, punktuiert von Mnozil-Brass-Gebläse, versetzt einen, aber leider nur sehr kurz, gefühlsmäßig ein wenig in die Stimmung eines verfilmten Polt-Krimis, in denen Erwin Steinhauer ziemlich authentisch einen Landgendarmen spielt. Mit derselben Authentizität überzeugt Steinhauer ja auch als Rechtsaußen-Nationalrat in Ernst Hinterbergers Trautmann-Krimis (Weitere Trautmann-Drehbücher liegen übrigens in der Schublade, allein das Signal zum Produktionsbeginn lässt wegen der regelmäßig vor Intendantenwahlen wiederkehrenden Entscheidungsträgheit auf sich warten). Damit sind wir auch schon mitten drin im Thema, das dem dialogisch und textlich gelungenen Bühnenstück zugrunde liegt: Freund(erlwirt)schaft. So meint Vater Schober im Disput mit seinem Sohn über die Umfärbetendenzen des wichtigsten Fernsehsenders im Land: „Na geh, ich find die ZIB 1 wirklich objektiv, die bringen nicht nur die Meinung von Wolfgang Schüssel, die bringen auch die Meinung eines Intellektuellen aus der Opposition: die von Erwin Pröll.“
Immerhin hat der ORF die Verfilmung von Freundschaft mitfinanziert und wird sie wohl auch irgendwann ins spätabendliche Kultur-(er)füllungsprogramm aufnehmen, aber sicher nicht vor den Nationalratswahlen am 1. Oktober.
Wieder einmal stellt sich die Frage, wie sinnvoll Kinoversionen erfolgreicher Kabarettbühnen- und Kleinkunststücke sind – Freundschaft hatte immerhin 50.000 Zuschauer und wurde mit dem Österreichischen Kleinkunstpreis und einem Nestroy ausgezeichnet. Trotz der filmischen Schwächen, die eine Beinahe-1:1-Übernahme eines Bühnentexts nun einmal mit sich bringt, ist es den Produzenten schon aus polithygienischen Gründen hoch anzurechnen, dass sie diese „intime Nahaufnahme eines Konflikts“ auch in die österreichischen Kinos bringen.
