Versöhnung auf der Hühnerfarm
Laura (Andrea Riseborough) hat Krebs und kommt mit der Krankheit nur schwer klar. Sie braucht Hilfe auf ihrem Bio-Hühnerhof in der Provinz. Doch als ihre Tochter Charlie (Morgan Saylor) eintrifft, die ihr Studium unterbrochen hat, um der Mutter zu helfen, ist die Stimmung zunächst gedämpft. Man muss sich erst wieder aneinander gewöhnen. Eine gesunde Mutter-Tochter-Beziehung hatten die beiden noch nie.
Aber Charlie passt sich an und packt zu. Bald hat sie die ländliche Arbeit im Griff: Tiere füttern, ausmisten, Stroh auslegen. Alles kein Problem. Auch Lauras Leiden begegnet sie mit einem nüchternen Pragmatismus und einer warmen Solidarität. Als ihrer Mutter aufgrund der Therapie immer mehr Haare ausfallen, rasiert die Tochter sich auch gleich selbst den Kopf kahl. „Jetzt sehen wir beide aus wie Rockstars“, lautet ihr trockener Kommentar.
Doch die neu gefundene Vertrautheit zwischen den beiden Frauen wird bald von Lauras Mutter neu aufgewühlt, die ebenfalls auf den Hof aufkreuzt, unangemeldet und vier Monate zu spät. Solange (Catherine Deneuve) ist eine Fremde für Charlie, die bis jetzt nichts von der Existenz ihrer Großmutter gewusst hat. Entsprechend neugierig ist die Enkelin auf die überraschende Besucherin. Laura dagegen kann ihren Schmerz und die Enttäuschung nicht lange zurückalten. Mit letzter Kraft entlädt sie ihre Wut. Aber Solange lässt sich so schnell nicht vertreiben – sie bleibt, wo sie ist.
Man fragt sich, was Martin Scorsese bewegt haben mag, den Film des französisch-amerikanischen Regieduos Hanna Ladoul und Marco La Via zu produzieren. Die Geschichte ist so unstimmig wie vorhersehbar. Gedreht wurde in Virginia, aber das kleine, gemütliche Landhaus und die Schauspielerinnen geben dem Ganzen eher einen europäischen Touch. Saylor ist zwar Amerikanerin, aber im Zusammenspiel mit Riseborough und Deneuve wirken die Frauen wie Figuren aus einem emotionsgeladenen Sozialdrama, in dessen Zentrum ein klassischer Drei-Generationenkonflikt steht.
Der Humor in Funny Birds ist sanft mit Nostalgie durchzogen und zeugt in den stärksten Momenten von einem Verständnis für die innewohnenden Widersprüche des Lebens. Vor allem Deneuve kann in der Hinsicht mit ihrer charmant kratzbürstigen Art und einigen gut platzierten Pointen punkten. Aber auch das bewahrt den Film nicht vor einer gewissen Märchenidylle und Klischeehaftigkeit.
