Filmkritik

Gänsehaut / Goose Bumps

| Marietta Steinhart |
Monster-Mischmasch

Das Szenario ist ein vertrautes und man hat es in fast jedem anderen familienfreundlichen Film oder Buch oder Serie schon einmal gesehen: kurz nach dem Tod seines Vaters – es wäre kein Kinderfilm ohne den tragischen Verlust eines Elternteils – ziehen Zach (Dylan Minnette) und seine Mutter (Amy Ryan) in eine kleine Vorstadt, die anmutet wie der langweiligste Ort der Welt. Es gibt nicht viel zu entdecken hier für den jungen Mann, wäre da nicht Hannah (Odeya Rush), das süße Mädchen von nebenan, dessen Vater (Jack Black) jedweden Kontakt zwischen den beiden untersagt. Es stellt sich bald heraus, dass Hannahs exzentrischer Vater kein geringerer ist als R.L. Stine, ein beliebter Autor von Gruselgeschichten und es genügt zu sagen, dass Zach und sein Freund Cramp seine Manuskripte öffnen und damit einen Schwarm von Kreaturen aus ihren literarischen Gräbern befreien: einen Teenager-Werwolf, eine Armee mörderischer Gartenzwerge, eine Horde gefräßiger Zombies, ein bösartiges Schneeungeheuer, einen blutrünstigen Pudel und Slappy, eine rachsüchtige Bauchrednerpuppe mit Napoleon-Komplex, um nur einige zu nennen. Regisseur Rob Letterman (Monsters vs. Aliens), der nach einem Drehbuch von Darren Lemke (Jack the Giant Slayer) arbeitete, hat etwas geschaffen, dass anmutet wie eine kindgerechte Version von The Cabin in the Woods – nur minder unvergesslich.

An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass besagter R.L. Stine einer der weltweit erfolgreichsten Autoren von Kinderliteratur ist und seine Bücher in den neunziger Jahren offenbar auf dem Nachtkasten jedes amerikanischen Kindes lagen. Die Filmadaption seiner „Goosebumps “–Geschichten kursierte schon seit fast zwanzig Jahren in Hollywoodkreisen und man wünscht sich, dass Tim Burton, dem man einst die Verantwortung für die Regie übertragen hatte, nicht abgesprungen wäre. Dies ist eine milde Meta-Erzählung, inspiriert von Stine und seinen Werken, auf ein jüngeres Publikum ausgerichtet, das noch nicht alt genug ist für beängstigendere Themen ist, aber auf erwachsene Zuseher wirkt Goosebumps altbacken, chaotisch und narrativ faul. Jedes echte Gefühl und jedes liebevolle Detail geht verloren in einer Parade von Verfolgungsjagden und einem apokalyptischen Tohuwabohu animierter Kreaturen. Im Vergleich zu Gulliver’s Travels, der ersten grauenhaften Arbeitsgemeinschaft von Letterman und Black, ist es ein schrulliges und sporadisch amüsantes Upgrade, aber lieber zum zigsten Mal Gremlins anschauen. Davon hat man mehr.