Good-Boy

Filmstart

Good Boy

| Jörg Schiffauer |
Schrecken aus ungewöhnlicher Perspektive

Für Freunde gepflegten Horrors zählt es zu den unverrückbaren Elementen dieses traditionellen Genres: Das Motiv um das „Haunted House“, ein Ort also, auf dem aufgrund vergangener Sünden ein Fluch lastet oder der im Bann übernatürlicher Kräfte steht. Ein bewährter und gut bekannter Pfad, den Regisseur Ben Leonberg mit Good Boy also betritt.

Das Ausgangszenario ist rasch skizziert. Als Todd erfährt, dass er unheilbar krank ist, beschließt er, Arzttermine hinter sich zu lassen und mit seinem Hund Indy von der Stadt aufs Land zu übersiedeln. Dort bezieht Todd das abgelegene und mittlerweile verlassene Haus seines Großvaters. Seine Schwester Vera ist zwar besorgt, weil Todd im Notfall an dem abgelegenen Ort keine Hilfe bekommen würde – und weil der Tod des Großvaters eine etwas mysteriöse, nie ganz geklärte Angelegenheit geblieben ist. Todd zerstreut alle Bedenken, die Abgeschiedenheit ist nämlich genau das, was er sich erhofft hat. Doch nach und nach greifen unerklärliche, schaurige Geschehnisse Platz, die den Verdacht erwecken, dass das Häuschen mitten im Wald vielleicht doch kein so harmloser Ort ist …

Das alles liest sich zunächst wie ein Auszug aus dem Kanon des Horrorfilms, doch Ben Leonberg hat sich für eine narrative Strategie entschieden, die Good Boy ein Alleinstellungsmerkmal – und noch dazu ein ziemlich effektives – verleiht. Erzählt wird die Geschichte nämlich aus der Perspektive des Hundes Indy. Ein Konzept, dass die Inszenierung konsequent einhält, alle menschlichen Charaktere bleiben weitgehend schemenhafte Gestalten. Auch Schrecken und mögliche Bedrohungen müssen durch die ungewöhnliche Perspektive immer wieder einer Prüfung durch den Zuschauer unterzogen werden. Denn Perspektive bedeutet in Leonbergs Inszenierung nicht nur die optische – oder sonstige Sinneswahrnehmung –, sondern auch die Reduktion auf die kognitive Interpretation durch den besten Freund des Menschen (eine Reputation, die Indy im Verlauf von Good Boy zu bestätigen weiß). Ob ein Schatten nur in der Vorstellungswelt eines Hundes bedrohlich erscheint oder man es tatsächlich mit einer schauerlichen Erscheinung zu tun hat, wird wiederholt Auslegungssache. Der Spannung und unheimlichen Atmosphäre, die Leonbergs Inszenierung zu verbreiten versteht, tut das keinen Abbruch. Geschuldet ist das auch dem tierischen Star – Indy ist im richtigen Leben übrigens der Hund des Regisseurs, was vermutlich das kongeniale Teamwork erklärt –, der entscheidend dazu beiträgt, dass Good Boy einer der originellsten Beiträge in Sachen Horror in der jüngeren Vergangenheit geworden ist.