Es treten auf: Wagnis, Fernweh und Eigennutz
Gerhard, gesundheitlich bedingt bereits pensioniert, verkauft seine Wohnung in Wien und zieht nach Thailand. Dort möchte er sich mit seiner neuen Partnerin Amy eine gute Lebensabend-Existenz aufbauen. Niemand der Beteiligten – vor und hinter der Kamera – ist aktiv darauf bedacht, zu verschleiern, dass die Beziehung maßgeblich von pragmatischen Interessen geprägt ist: Der von den ärztlichen Bemühungen in seinem Heimatland enttäuschte Österreicher erhofft sich nicht nur ein schönes zweisames Zusammensein im und um das Städtchen Chiang Mai, sondern auch die Heilung seiner Beschwerden, die ihm die Fortbewegung zu Fuß schwer machen. Amy kümmert sich anfänglich scheinbar gerne um den etwas schrulligen Ankömmling; wiederum ihr offensichtlich besonders gelegen kommen die neuen finanziellen Möglichkeiten, die im Kauf eines Autos und eines Hauses sowie in der Eröffnung ihres neuen Schmuck-Geschäfts münden. Good Life Deal zeichnet so zunächst Schritte hin zu Wunscherfüllungen, in einer als Antithese zu Auswanderungs-TV-Formaten angenehm unspektakulären Sachlichkeit. Die Präsenz seiner Macherin (die Editorin und Regisseurin Samira Ghahremani in ihrem Regie-Langfilmdebüt) ist in den Bildern immer wieder spürbar, den Verlauf der realen Handlung lenken jedoch maßgeblich die Handlungen von Gerhards angenommener Freundin, die zur Antagonistin wird: Der Gutgläubige, der alles hinter sich gelassen hat, muss immer deutlicher erkennen, dass der Deal, den er geschlossen hat, sich als Verlustgeschäft entpuppt, als Naivität und Zweckoptimismus geschuldetes Missverständnis, das sich zur emotionalen, kapitalen Misere steigert. Doch während der Film und seine trügerisch geruhsame Atmosphäre nahtlos in eine hautnahe True-Crime-Erfahrung kippen, treten alte und neue Bekannte in Gerhards ver-rücktes Leben und statt eines fatalen Abgrunds öffnet sich vielleicht doch noch eine positive unerwartete Tür.
Good Life Deal zeigt viel Unausgesprochenes und taucht in ein künstliches Paradies, das seine Fassade nicht lange aufrechterhält. Eine Gated Community der Sehnsüchte demaskiert sich darin zwar als Sinnbild einer Enttäuschung, doch der stets rätselhaft bleibende – tief in die Karten blicken lässt sich hier aber überhaupt niemand – Mann in deren Zentrum zeigt sich davon weniger stark getroffen, als man erwarten würde. Und als trockener Alltagsliterat: „Der Mercedes war der Fehler“, stellt er im Telefonat mit einem Freund nüchtern fest. Samira Ghahremani fängt Ungreifbares als perfekt choreografierten Zufall ein: Träume, und was Menschen dafür tun.
