Filmkritik

Green Room

| Alexandra Seitz |
Sehenswertes B-Picture-Konzentrat mit ideologischem Mehrwert

Wenn eine Punk-Band in einer Neonazi-Skinhead-Spelunke ein Konzert gibt, ist Ärger vorprogrammiert. Aber was bleibt den The Ain’t Rights schon anderes übrig, das Geld vom letzten Konzert reicht noch nicht einmal fürs Benzin. So geht es also ab ins Hinterland von Oregon zu eben jener ominösen Spelunke – wird schon irgendwie schiefgehen. Geht dann auch schief, und zwar gründlich. Zwar überleben sie das Konzert – und das obwohl sie ihr Set standesgemäß mit einer Coverversion von Dead Kennedys „Nazi Punks Fuck Off!“ eröffnen –, doch dann geschieht im Backstage-Raum, dem titelgebenden Green Room, ein Mord. Dass die Mitglieder der Band Augenzeugen waren, ist Spelunken-Betreiber Darcy ein denkbarer Dorn im Auge, zumal er im Keller ein Drogenlabor betreibt. Die Punks müssen verschwinden, möglichst schnell und am besten spurlos. Skrupellos geht es alsdann zur Sache und für die Nazi-Kampfhunde gibt es endlich mal wieder was zu beißen.

Green Room von Jeremy Saulnier ist ein sogenannter „Siege Thriller“, ein Film also, der von einer Belagerung handelt, und steht damit in der Tradition großer Vorbilder wie The Alamo (John Wayne, 1960), Night of the Living Dead (George A. Romero, 1968) oder Assault on Precinct 13 (John Carpenter, 1976). Denen kann er zwar nicht ganz das Wasser reichen, macht seine Sache aber dennoch ziemlich gut, weil Saulnier, der früher selbst in einer Punk-Band spielte, die Milieus, die er in seinem Film so mörderisch aufeinanderprallen lässt, kennt und ernst nimmt.

Jeremy Saulnier – der bislang als Kameramann abeitete und unter anderem bei Matthew Porterfields Hamilton, Putty Hill und I Used to be Darker das Licht setzte –, beeindruckte 2013 mit seinem Film Blue Ruin Kritik wie Publikum gleichermaßen. Große Studios machten daraufhin Angebote, doch Saulnier wollte lieber erstmal noch einen Film drehen, von dem er glaubte, dass niemand sonst ihn jemals machen würde. Wer, wenn nicht ich, und wann, wenn nicht jetzt? Das ist sowieso immer eine gute Frage. Und Saulniers Antwort fällt überzeugend aus: Ein gemeines, ohne Brimborium auf den Effekt hin inszeniertes B-Picture, das die Sensitivität von US-Independent-Filmen zwanglos in Genre-Muster einfließen lässt. Erreicht wird damit ein Grad von gefühltem Realismus, der im krassen Kontrast zur Unwahrscheinlichkeit des Geschehens steht. Das kann doch alles gar nicht sein, denkt man, und fürchtet zugleich, dass es sich genauso zutragen könnte. Irgendwo in Oregon.